Weniger ist mehr

Bewusst schenken: Gute Vorsätze im Praxistest

11/27/2014

happy birthday (1 von 2)

Wir haben einen Feiermarathon hinter uns. Insgesamt 4x hat das Glückskind Geburtstag gefeiert. Ist ja auch schön.

Und anstrengend.

Auf jeden Fall habe ich konsequent versucht meine eigenen Tipps von hier und hier einem Praxistest zu unterziehen. Kann man es schaffen, weniger (Spiel-)Sachen zu bekommen, ist es möglich bewusster zu schenken und damit weniger Gerümpel anzuhäufen, weniger Ramsch zu kaufen, der meistens 100 Jahre nicht verrottet, oft bedenkliche Stoffe enthält und andere Menschen irgendwo auf dem Planeten ausbeutet? Geht das?

Fazit: Ich muss meine Strategie anpassen

Am eigentlichen Geburtstag hat das Glückskind von mir Süßigkeiten und Ölkreiden bekommen, beides etwas, was er verbrauchen kann und was dann nicht ungenützt herumliegt. Er hat mich zwar schon gefragt, wo seine anderen Geschenke sind, war aber dann echt glücklich mit seinen Ölkreiden.

Im Kindergarten hat das Glückskind natürlich auch gefeiert. Da hat er dann ein kleines Maxerl bekommen, ok eine kleine Aufmerksamkeit, wurde auch fleißig bespielt, liegt aber etwas weniger fleißig schon unbeachtet in einer Kiste (wahrscheinlich bis sich das Glücksbaby anfängt, dafür zu interessieren).

Mit Oma und Opa war’s dann schon schwiergier. Ich habe gebeten, dass alle nur maximal ein Geschenk pro Person bringen, lieber noch weniger. Ging natürlich nicht. Am Ende kam eine Diskussion heraus und ich habe beschlossen aufzugeben, ich glaube die Einstellung der Großelterngeneration ist einfach eine ganz andere. Es ist ihnen das Schenken (und Dinge anhäufen?) einfach so wichtig und ich habe mich entschlossen, nichts mehr zu sagen. Es kommt nur zum Streit, das vermiest allen das Fest.

Stattdessen werde ich versuchen einen anderen Weg einzuschlagen und Vorschläge für faires und nachhaltiges Spielzeug oder für grüne Kindermode zu bringen.

Bleibt noch ausmisten und weiterschenken

Außerdem merke ich, dass das Glückskind sehr wohl bereit ist, auch Sachen wieder herzugeben, die es gar nicht mehr braucht. Bei den letzten „Ausmistrunden“ hat er immer wieder freiwillig gesagt „Schau mal, für unsere Flohmarktkiste“, außerdem kann ich es inzwischen für mich gut verantworten, Dinge, die absolut nur rumliegen würden, gleich weiterzuschenken.

Ich habe neulich im Buch „Feng Shui, gegen das Gerümpel des Alltags“ von Karen Kingston gelesen und da stand zu diesem Thema:

„Sie können ein Geschenk wertschätzen, ohne es zwingend behalten zu müssen […] Probieren Sie es mit einer völlig neuen Philosophie: Wenn Sie jemanden etwas schenken, geben Sie es mit Liebe und lassen Sie los. Gestatten Sie anderen die Freiheit, damit zu tun, was sie wollen.“

Und diese Freiheit nehme ich mir jetzt, wenn Geschenke in unser Haus kommen und gleich von Anfang an unbeachtet bleiben, ist es doch besser, es geht gleich weiter an jemanden, der es wirklich brauchen kann, oder?

Die letzte Feierlichkeit war dann gestern, bei uns zu Hause mit einigen Kindergartenfreund*innen, ich habe niemanden bezüglich meiner Geschenkewünsche etwas gesagt und es kamen dann ganz von selbst wirklich sehr praktische Geschenke: Knetmasse, Kaugummi, eine Zahnbürste und ein sehr liebes Spiel.

Übrigens werde ich erst wieder eine Kinderparty zu Hause veranstalten, wenn wir wirklich eine Minimalismus-Familie geworden sind. Die Kinder haben alle (!) Spielsachen in der Mitte des Kinderzimmers aufgehäuft und mit Essen, Dekomaterial und Knetmasse vermischt, nach der Feier habe ich mich kurz mit dem Gedanken gespielt, einfach alles niederzubrennen und das Land zu verlassen.

Als ich übrigens das Glückskind gefragt habe, was seine Lieblingsgeschenke waren, antwortete er mir: „Die Zahnbürste, wenn meine kaputt ist, dann habe ich jetzt gleich eine neue“.

So leicht sind (kleine) Kinder zufrieden.

happy birthday (2 von 2)

Alles Liebe,

Birgit (Fräulein im Glück)

15 Comments

  • Reply Dame vom Land 11/27/2014 at 13:21

    Wunderbar anregend! Vor allem, da der erste Geburtstag der kleinen Dame bevorsteht. Ich bin gespannt wie es bei uns läuft 🙂

    LG, Susi

    • Reply Fräulein im Glück 11/29/2014 at 19:52

      Juhu 1 Jahr! Da bin ich gespannt, was du berichtest.

      Liebe Grüße,

      Birgit

  • Reply Elisabeth 11/27/2014 at 13:24

    Ich finde, du hast das eh ganz fantastisch gemacht! Bei der Grosselterngeneration, besonders väterlicherseits, hab ich auch aufgegeben. Immerhin hab ich jetzt darum gebeten, dass die Buben bis Weihnachten keine Extrageschenke bekommen, und halte im Allgemeinen daran fast, dass wir uns Lego und Playmobil wünschen – einfach nur, damit ich das zumindest ein bisschen unter Kontrolle habe.

    Und sonst? Sonst kämpf ich, wurschtel ich herum und versuch zu reduzieren, auch bei den Geschenken, und besonders bei denen, die unterm Christbaum liegen, einfach um auch die Überforderung zu vermeiden. Leider bin ich da bei uns recht alleine damit. Also kleine Schritte, kleine Erwartungen, und Reden, Reden, Reden.

    Das mit dem Kindergeburtstag kenn ich auch. Bei uns ist das so, dass die ganze Gruppe, samt Pädagogen, am Vormittag kommt. Das war wie ein Tornado! 22 Kinder von 3-5 Jahren. Haben wir probiert, machen wir nicht mehr. Da waren die Kinder aber wenigstens einig mit mir!

    Alles Liebe dir, und verspätete Geburtstagsgrüsse an das Glückskind!
    E.

    • Reply Fräulein im Glück 11/29/2014 at 19:53

      Wahnsinn, den ganzen Kindergarten in einer Wohnung? Steht sie noch? 🙂

      Übrigens kleine Schritte ist sicher das Stichwort und keine Zwischengeschenke ist schonmal gut. Da bin ich auch erst langsam draufgekommen.

      Liebe Grüße,

      Birgit

  • Reply Dina 11/27/2014 at 15:24

    Zahnbürste als Lieblingsgeschenk – ein geborener Minimalist, der Kleine 🙂

  • Reply Nanne 11/27/2014 at 15:28

    Mit einer Freundin, die ein Kind hat, habe ich besprochen, dass ich nur etwas schenke, wenn mir etwas gefällt und ich denke: Mensch, dass ist doch was für xyz. Jetzt kommt das Geschwisterkind und ich frage mich: Was soll ich den jetzt zur Geburt schenken, die haben doch alles?!?!
    Ich werde vermutlich einfach fragen.

    Das mit der Zahnbürste, das find ich so süß!

    Ich habe übrigens bezüglich meiner Geschenke auch aufgegeben. Meine Mama kann es einfach nicht lassen und ich werde mir daher immer bewusst etwas überlegen (und hoffentlich dann nicht noch eine Überraschung dazu bekommen). Sie versteht mich einfach auch nicht und freut sich immer so, mir was zu schenken. Das mag ich irgendwie auch nicht mehr kaputt machen.
    Dabei ist es für mich immer die größte Freude, dass sie einfach da ist.

    Liebe Grüße Nanne

    • Reply Fräulein im Glück 11/29/2014 at 20:18

      Liebe Nanne,

      du hast recht, eben so wichtig ist es dann auch nicht, dass man jemanden etwas kaputt macht. Denke man kann auch woanders „einsparen“

      Liebe Grüße,
      Birgit

  • Reply Sonja 11/27/2014 at 17:41

    😉
    Hach, da haben wir wirklich Glück mit den Großeltern. Wir können ihnen sagen, was wir gerne für die Kinder hätten. Das klappt (meistens) sehr gut.
    …und bei Kindergeburtstagen ist es strengstens verboten, das Essen vom Tisch mitzunehmen. Ich weiß, warum!
    Liebe Grüße, Sonja

  • Reply Sonja 11/27/2014 at 17:42

    Ach ja, hier ist es üblich, bei Kindergeburtstagen vorher zu fragen, was sich das Geburtstagskind wünscht. Das finde ich sehr gut.

    • Reply Fräulein im Glück 11/29/2014 at 20:19

      Liebe Sonja,

      ich denke das kann man sicher einführen und das mit den Verboten an Kindergeburtstagen werd ich mir zu Herzen nehmen!

      Liebe Grüße,

      Birgit

  • Reply Der schwarze Freitag und Gedanken zu Geschenken | liebevoller leben 11/28/2014 at 15:07

    […] Zum Weiterlesen: Wer noch Ideen braucht findet eine lange Liste minimalistischer Geschenke im “Ultimate Clutter-Free Gift Guide” auf dem englischen Blog Slow your Home. Das Fräulein im Glück versucht gerade, das bewusste Schenken umzusetzen. Hier die Ergebnisse eines Praxistests. […]

  • Reply Petra 11/29/2014 at 08:59

    Ich versuche auch, Geschenkeflut zu vermeiden. Für Weihnachten ist mir dann was Gutes für die Großeltern eingefallen. Mehrere besondere Bastelmaterialien. So haben sie mehrere Geschenke und wir haben Bastelsachen, die benützt werden und sich von selbst wieder verringern. Meine Tochter liebt Basteln. Lg Petra

    • Reply Fräulein im Glück 11/29/2014 at 20:20

      Liebe Petra,

      ja das sind auch meine Lieblingsgeschenke, dinge die man verbasteln kann, machen spaß und sind „endlich“

      Liebe Grüße,

      Birgit

  • Reply Selina 12/04/2014 at 14:35

    Ich finde es toll, wie ihr euer Konsumverhalten verändern wollt und wie wertschätzend ihr mit den gegebenen Ressourcen der Erde umgeht. Gerade als junge Mutter von zwei Kindern ist das keine leichte Aufgabe, ich spreche da aus Erfahrung. Nicht immer kann man seinem Grundsatz uneingeschränkt folgen, da es noch jemand anders gibt, der nicht unter den eigenen Entscheidungen leiden sollte. Aber mit etwas Geschick lässt sich beides ganz gut vereinen, und die Kinder lernen auf natürlich Weise, achtsam mit der Umwelt umzugehen.

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