Familie Minimalismus Weniger ist mehr

Gastbeitrag: Geschenkeflut vermeiden {weniger ist mehr im Kinderzimmer #3}

04/26/2014
Pierre Wolfer

Pierre Wolfer

Weniger ist mehr im Kinderzimmer, da bin ich mir inzwischen sicher. Ich hab für mich einen guten Umgang mit den vielen (Kinder-)sachen gefunden. Und jetzt? Ja jetzt gibt es immer noch die anderen. Die Verwandten und Bekannten, die es wirklich gut meinen, aber trotzdem viele Geschenke bringen, die schnell ungenutzt herumliegen. Nina von MinimalismusFamilie hat in einem ausführlichen Beitrag ihre Vorschläge im Umgang mit Geschenken zusammengefasst und ich darf den Beitrag hier noch einmal als Gastbeitrag bringen. 

Gastbeitrag: Geschenkeflut vermeiden

Ihr kennt das Problem sicher auch? Nach Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern sowie an den Geburtstagen der Kinder gibt es einen Haufen Geschenke unterzubringen. Oftmals quetscht man es noch in die Kisten oder kauft manchmal sogar noch ein neues Regal. Am Anfang spielen die Kinder häufig mit den neuen Sachen, danach gehen sie in dem ganzen restlichen Spielzeug unter. Wie kann man so etwas vermeiden?

Geschenkeflut regulieren

  • 4-Geschenke-Regel: Want, Need, Wear, Read. Wo genau ich es zum ersten Mal gelesen habe, weiß ich nicht mehr. Aber es ist eine tolle Regel für Eltern.. Das Kind bekommt einen Herzenswunsch (meist Spielzeug) erfüllt, eine Sache, die es dringend braucht (z.B. eine Sporttasche), etwas zum Anziehen und etwas zum Lesen. Das reicht auch völlig.
  • Kindergeburtstag erst ab 3 Jahren. Für Kinder unter 3 Jahren ist es einfach zu viel, eine große Feier zu veranstalten. Sie sind oft mit den vielen Leuten und der ganzen Aufmerksamkeit überfordert. Familie willkommen, aber man sollte es im kleinen Kreis belassen. Für später ist eine gute Regel, höchstens so viele Kinder einladen, wie alt das eigene Kind wird. Vorteil: Es bekommt dann auch weniger Geschenke.
  • Geschenkeliste für die Gäste. Entweder vom Kind oder zusammen mit den Eltern erstellt. So garantiert man, dass es Geschenke gibt, die das Kind auch mag. Und wenig dabei ist, was dann hinterher nicht bespielt wird.
  • 1 Geschenk pro Gast. Simple Regel, aber so vermeidet man, dass an dem Riesenbagger noch ein Plüschtier hängt. Von Letzterem bekommt man im Laufe der Jahre einfach Unmengen.
  • Verbrauchbare Geschenke. Gerade für Besuche zwischendurch oder auch für kleine Anlässe wie Ostern und Kindertag kann man die Regel einführen, dass nur Geschenke mitgebracht werden dürfen, die verbraucht werden können. Materialien zum Malen wie Bunt- und Wachsstifte, weiße Blöcke und Malbücher, Pinsel und Farbe oder Straßenkreide. Bastelzubehör wie Klebstoff, Buntpapier, Stempel oder Sticker. Etwas zum Modellieren wie Knetmasse, Schnitzholz oder Ton. Oder andere Dinge zum kreativ sein Bänder oder Perlen. Das Kind kann damit Spaß haben und es nimmt im Laufe der Zeit immer weniger Platz weg, da es sich aufbraucht.
  • Erlebnisgeschenke. Kino, Klettern, Erlebnisbad, Töpfern, Reiten, Freizeitpark, Zoobesuch, Indoorspielplatz, Fotografiekurs. Nur einige Beispiele. Kinder freuen sich riesig über solche Geschenke. Klar, man hat nichts Materielles, was man dem Kind am Ehrentag überreichen kann. Aber es wird die Zeit beim Erlebnisgeschenk nicht vergessen. Vorteil in jedem Fall: Es kommt kein neues Zeug ins Haus.
  • Gratisgeschenke ablehnen. Ein Plüschtier beim Kauf eines Paar Schuhes, eine Figur aus dem Ü-Ei oder dem FastFood-Menü. Bei Kindern gern gesehen, jedoch ist die Freude von kurzer Lebensdauer. Ablehnen ist der erste Schritt. Regel für ältere Kinder: Wenn sie das Gratisgeschenk gern mit nach Hause nehmen wollen, müssen sie dann ein Spielzeug oder eine Figur von einem vorherigen Mal abgeben. Die Kinder werden es sich ernsthaft überlegen, ob sie das Gratisgeschenk wirklich wollen.

Wichtig ist, konsequent mit den Gästen zu sein. Insbesondere Omas oder in unserem Fall auch die Uroma geht es zu überzeugen. Aber nach einiger Zeit, wird das von allein laufen bzw. werden sie Rücksprache mit den Eltern treffen.

Vorhandenes Spielzeug in Schach halten

Irgendwann haben die meisten Kinder schon genug Spielzeug. Meine besitzen jetzt schon viel. Und sie wachsen ja auch aus Spielzeug raus. Und statt durch Kauf von neuen Kisten und Schränke sollte man Platz für Neues durch Weggabe von Altem schaffen. (Falls noch Geschwisterkinder geplant oder bereits vorhanden sind, können die Besten auch aufgehoben und verstaut werden).

  • Altergerechtes Spielzeug darf bleiben. Spielzeug, aus dem die Kinder schon rausgewachsen sind, müssen nicht im Kinderzimmer bleiben. Regelmäßiges Aussortieren hilft. Insbesondere bei kleinen Kindern. Dort nimmt man es am besten noch selbst in die Hand. Und wer Angst hat, ein geliebtes Spielzeug einfach wegzunehmen, packt es zunächst nur weg und wartet einen Monat. Wenn das Kind es bis dahin nicht vermisst hat, dann braucht es es nicht wirklich.
  • Eins-Rein-Eins-Raus-Regel. Ab einem bestimmten Alter können die Kinder verstehen, dass für eine neues Spielzeug ein altes gehen muss. Und es werden sich bestimmt einige Sachen finden, für die sie sich nicht mehr interessieren oder die eventuell auch schon kaputt sind.
  • Spielzeug spenden. Mit älteren Kindern kann man vor Weihnachten und Geburtstagen eine Tradition anfangen. Spielzeug aussortieren, um Platz zu für spätere Geschenke zu schaffen. Das was nicht mehr gewünscht wird, kann dann Kinderheimen oder Hilfsorganisationen spenden. So lernen Kinder auch, dass es einigen Kindern viel schlechter geht als ihnen.
  • Eigenes Spielzeug als Geschenk. Gerade wenn man in der Familie oder im Freundeskreis jüngere Kinder hat, dann können die eigenen älteren Kinder ihre nicht mehr altersgerechten Spielsachen verschenken. Sie schenken somit etwas Eigenes. Und meist sind sie sogar stolz, dass damit weiter gespielt wird. Kenn ich aus eigener Erfahrung, denn unsere Kinder erhalten oft von den Kindern meiner Cousine Geschenke. Vorteil für die Eltern der gebenen Kinder: Kein Geld für Geschenk ausgegeben und Spielzeug reduziert. Und irgendwann ist auch das empfangende Kind soweit und kann Spielzeug weggeben.
  • Altes Spielzeug verkaufen. Kinder, die etwas aussortieren, können ihre Sachen auch verkaufen, um sich danach eigene Wünsche zu erfüllen. So kann man Kindern, den Umgang mit Geld beibringen und gleichzeitig die Ausmaße im Kinderzimmer in Schach halten.

Und nicht vergessen: Das größte Geschenk ist die Anwesenheit und Aufmerksamkeit der Eltern oder der Gäste. Gemeinsames Spielen und das Eingehen auf das Kind ist unbezahlbar und macht es glücklich. Dazu passt ganz gut die Nivea-Werbung vom letzten Weihnachten.

Vielen Dank Nina für diesen Beitrag ! Hier geht’s zu ihrem Blog.

Alles Liebe vom Fräulein

14 Comments

  • Reply evi 04/27/2014 at 18:10

    Wow ! Was für eine wunderschöne Seite ! Gefällt mir sehr gut. Lg Evi

  • Reply Fräulein im Glück 04/27/2014 at 20:23

    Liebe Evi,

    vielen Dank, das Kompliment geb ich gern zurück. Dein Blog ist sehr schön gemacht.

    Liebe Grüße vom Fräulein

  • Reply Eva 04/30/2014 at 09:52

    Das finde ich einen sehr tollen Artikel. Noch habe ich keine Kinder, aber einige Freunde schon ganz bald und da werde ich mich an diese Regeln halten. Ich bin immer wieder erschreckt, wie viel Spielzeug meine kleine Schwester anhäuft. Geht es deinen Kindern auch so, dass sie sich nur schwer auch von kaputten Sachen trennen können?
    Danke für die schöne Anregung, liebste Grüße, Eva

    • Reply Fräulein im Glück 05/02/2014 at 11:22

      Liebe Eva,
      danke für deinen Kommentar, das Lob geht an Nina von Minimalismus Familie 🙂
      Das große Glückskind gibt selten was ab, muss es erst noch lernen. Das schöne ist, dass sie als Kleinkinder sehr kreativ sind und „kaputt“ immer im Auge des Betrachters lieg.
      Alles Liebe
      vom Fräulein

  • Reply Der legosteinige Weg zu weniger Spielzeug {inklusive Kinderzimmerführung } | Fräulein im Glück 07/22/2014 at 20:40

    […] gute “Strafarbeit” ist da die 1 rein – 1 raus Regel, für etwas Neues muss was Altes weg (besser wäre 1 rein – 2 raus). Nur leider ist das […]

  • Reply Brief an meine Tochter! | Naitheb 09/08/2014 at 20:43

    […] Geburtstagsgeschenke habe ich auch schon fast zusammen. Habe neulich einen schönen Blogeintrag gelesen, der genau mein Bauchgefühl widerspiegelte und den ich jetzt auch befolge (und auch der […]

  • Reply Fitzliesl 09/10/2014 at 07:20

    Hallo Eva,
    das ist ja mal ne richtig gut Zusammenfassung die ich schon sehr lang in dieser Art mal gesucht habe. Wir halten uns zwar nach unserem Bachgefühl schon an einige deiner aufgeführten Punkte, aber ich hab uach neue Denkanstöße gefunden, die ich mit meinem Mann sicherlich diskutieren und danach einführen werde. Zum Beispiel das mit den Gratisgeschenken. Unsere Große ist nun 4 und was sie mit Ihren Augen alles an Gratisgeschenken „erkaufen“ kann ist echt Wahnsinn. In dem Moment ein altes auszusortieren find ich echt einen guten Gedanken.
    Aussortieren steht bei mir aber auch schon eine Weile wieder auf der Agenda. Nur fehlt mir derzeit einfach die überflüssige Minute dazu. Ich werd mir wohl diese Minute gleich heut mal nehmen und dann muss hier einiges auf den Dachboden wandern.
    Danke nochmal für die schöne ZUsammenstellung.

    Liebe Grüße
    Uli

  • Reply inwachsendenringen 01/26/2015 at 21:33

    Das ist ein toller Beitrag – vielen Dank dafür!
    Das Thema Schenken – und wie die lieben Verwandten darüber denken – hat uns vor Weihnachten sehr beschäftigt. Wir haben nach langen Diskussionen für uns auch kleine Regeln aufgestellt. In manchem überschneiden sie sich mit dem, was hier aufgelistet ist, anderes ist mir neu. Gute Anregungen, die wir aufnehmen werden!

  • Reply Jörg 03/01/2015 at 15:44

    Toller Blog!
    http://www.interessanteswissen.blogspot.com

  • Reply Misseshippie 12/06/2015 at 11:28

    Schöner Beitrag! Schön zusammen gefasst.
    Ich denke dass sollten sich viele Eltern mal zu Herzen nehmen und umsetzen. Das würde nicht nur den Kindern gut tun, sondern auch der Umwelt.
    Lg

    • Reply Johanna Eck 01/04/2017 at 10:23

      Ich dagegen, Misseeshippie, würde mir wünschen, wenn sich die Großeltern das mal zu Herzen nehmen würden.
      Was, wenn die Großeletern es nicht verstehen und der Mann nicht hinter einem steht? Der regt ishc nämlich auch über die Geschenkeflut auf, aber wenn ’s um seine Mutter geht, „ist das doch nur lieb gemeint“. Wie die 3 Mrd.ste überflüssige Socke. Und deswegen kaufe ich sicher keinen neuen Schrank!
      Ich kann bei diesem Thema nicht ruhig bleiben. Sogar meiner Mutter habe ich das beibringen können! Jetzt wurde kurzerhand das „Adventsgeschenk“ eingeführt – nachdem ich gewünscht habe, daß es weder ein Nikolausgeschenk noch einen Adventskalender von der Oma gibt.
      Ich bitte wirklich um Hilfe – ich möchte keine 3 Adventskalender pro Kind und möchte aber auch nicht immer als Mutter zurücktreten, damit die anderen ihre Freude haben – die hatten sie doch mit ihren Kindern schon. 🙁
      So, und jetzt schaue ich mir die Seite mal an. Gute Idee – die 4-Geschenke-Regel.
      Liebe Grüße,
      Johanna

  • Reply Wie wir unser Kinderzimmer auf Weihnachten vorbereiten (Minimalismus-Style) - Fräulein im Glück 01/05/2016 at 21:29

    […] Versuche sogar ein bisschen lachen. Letztes Jahr habe ich diesen Gastbeitrag veröffentlicht: „Geschenkeflut vermeiden“, da stehen Dinge drinnen wie: „1. Geschenk pro Gast“, „4-Geschenke-Regel“ und […]

  • Reply Österreichs Bloggerinnen auf Reisen - Fräulein im Glück 05/09/2016 at 12:10

    […] von Stabilo, die sie seit Tagen begeistern. Der Mama gefallen solche Geschenke auch, denn sie sind verbrauchbar und liegen nicht irgendwann ungenützt herum. Auch wenn inzwischen alle Hemmschwellen gefallen sind […]

  • Reply Kindergeburtstag: 10 Ideen, wie man einfach, nachhaltig und stressfrei feiert - Fräulein im Glück 09/28/2016 at 07:13

    […] Wie man die Geschenkeflut bei den Verwandten eindämmen kann, darüber gab es bei mir schon einmal diesen Gastbeitrag, der immer noch aktuell ist. […]

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