Minimalismus

Projekt: Spielzeugfreies Kinderzimmer, und wie du endlich herausfindest, wie viel Spielzeug dein Kind wirklich braucht

08/24/2017

Es wurde langsam Zeit. Unser Kinderzimmer bekam einen neuen Anstrich und damit habe ich mich endlich getraut, das Projekt „Spielzeugfrei“ anzugehen. Schon seit Jahren versuche ich, den Spielzeugberg in unserem Kinderzimmer zu reduzieren, ganz vorrangig deshalb, um mir selbst das Leben zu erleichtern, aber auch weil es gut für die Kinder ist. Das klappt mal besser, mal schlechter. Im Vergleich zu anderen Kindern, haben meine Kinder sicher wenig Spielzeug, aber es ist trotzdem noch reichlich und es ist nicht immer einfach alles in einem ordentlichen Zustand zu halten, der auch den Kindern (und mir) noch Freude bereitet.

Aber was heißt „spielzeugfrei“ eigentlich?

Spielzeugfrei ist für mich in erster Line eine Haltung. Sie bedeutet für mich, dass Kinder kein Spielzeug brauchen, um glücklich zu sein. Ja, sie brauchen Sachen zum Spielen, aber das muss sicher nicht vorgefertigter Plastikschrott sein, was der Großteil des angebotenen Spielzeugs nunmal ist (gibt auch Ausnahmen ;-)). Das können Alltagsgegenstände sein oder (Natur-)Materialien.

„Spielzeugfrei“ bedeutet für mich aber auch, den Kindern dabei zu helfen, gar nicht erst so viel „Zeug“ anzuhäufen (mit denen wir Erwachsenen dann kämpfen). Zu viel Spielzeug überfordert, konzentriertes Spiel wird schwer. Besonders sind die Kleinen betroffen, aber auch noch die Großen und natürlich die Eltern. 

Mal ehrlich, wer hat noch Lust nach einem anstrengenden Tag das Spielzeugchaos gemeinsam mit den müden Kindern aufzuräumen? Schnell muss es gehen oder auch mal egal sein, wenn alles liegen bleibt. Das geht aber nur, wenn „alles“ überschaubar ist. Oft gibt es in unseren Kinderzimmern nicht einmal mehr Platz zum Spielen, bei den Unmengen an Spielzeugen, die Kinder oft besitzen.

Weniger Spielzeug gibt unseren Kindern also wieder Platz zum Spielen, es gibt „Raum für Fantasie und Kreativität“ und damit auch für Selbstbestätigung und Selbstbewusstsein.

Projekt (wirklich) „Spielzeugfrei“ über einen begrenzten Zeitraum

„Spielzeugfrei“ bedeutet nicht immer komplett ohne Spielzeug. Spielzeugfrei ist vielleicht eher das Ideal und eine reißerische Bezeichnung so wie „unerzogen“, es polarisiert. Immerhin, wenn die Kinder älter werden, dann gibt es Wünsche, die ich als Mutter nicht ganz ignorieren will und kann, außerdem finde ich es gut, wenn Kinder von Anfang an lernen, dass wir mit „Zeug“ leben und dass es aber eben nicht unendlich viel davon braucht und natürlich wie man ordentlich damit umgeht. Also leben wir spielzeugreduziert. Im Alltag sieht es so aus, dass nicht alles immer zur Verfügung steht, manches wird in den Keller geräumt, dann wird wieder getauscht etwas, wandert in den Keller, anderes kommt wieder herauf. Manchmal ist mehr da, dann wieder weniger. Gelegentlich bekomme ich einen Anfall und entrümple radikal.

Trau dich – ab und zu ganz spielzeugfrei tut allen gut. So geht’s:

Trotzdem kannst du dich trauen über einen begrenzten Zeitraum auch einmal wirklich ein ganz spielzeugfreies Kinderzimmer zu haben. So wie wir gerade. Jetzt ist gerade alles im Keller. Wir machen für drei Wochen so richtig spielzeugfrei. Alles haben wir in den Keller geräumt, das Spielzeug, die Regale – alles. Nur die Betten, der Tisch, der Kleiderkasten, Bücher und das Bastelmaterial sind geblieben. Das passt vom Zeitpunkt ganz gut, denn der Sohn meines Freundes ist da und da braucht es Platz für ein zusätzliches Bett, außerdem haben wir das gleich genützt, um auszumalen. Das verstehen auch die Kids und es stört sie nicht. Ich nehme ja nichts weg, wenn sie etwas dringend von ihren Spielzeugen „brauchen“, das wissen sie, können wir es jederzeit aus dem Keller holen.

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Spielzeugfrei kommt aus dem Kindergarten

Die „spielzeugfrei“ Idee kommt von zeitlich begrenzten Kindergartenprojekten. Der Gedanke dahinter ist, dass “durch die temporäre Entfernung des Spielzeugs (…) die Kinder die Chance (erhalten) sich stärker auf Gruppenprozesse einzulassen, verschiedene Positionen in der Gruppe zu erproben und sich in anderen Rollen zu versuchen.“

Und warum Zuhause ein Projekt „Spielzeugfrei“?

„Aber „Zuhause“ ist nicht der Kindergarten, vor allem, wenn man nur ein Kind hat“, wirst du vielleicht sagen. Ich glaube aber trotzdem, dass ein Projekt „Spielzeugfrei“ (zeitlich begrenzt oder auch nicht) vor allem eines bestätigt: Für Kinder ist es nicht schlecht, wenn sie kein Spielzeug haben. Im Gegenteil, es ist nur unsere Hemmschwelle so groß, die Angst im Hinterkopf, dass die Kinder dann vielleicht „arm“ sind, nicht genug gefördert werden oder wir ihnen nicht ausreichend unsere Liebe zeigen.

Im Kinderzimmer nur noch das, was wirklich gebraucht oder geliebt wird

Und eines zeigt es auch noch: Ins Zimmer kommt nur noch zurück, was von den Kindern wirklich geliebt wird. Wir werden nach den drei Wochen nach und nach wieder Spielzeug in unser Kinderzimmer lassen, nicht aktiv, sondern wenn die Kinder etwas unbedingt wollen, wenn sie es brauchen oder vermissen.

Jetzt sollen sie natürlich nicht immer mit dem fünf gleichen Spielsachen spielen müssen, wenn ich merke, dass sie bestimmte Interessensphasen haben, dann werde ich entsprechend Spielsachen bzw. Materialien anbieten. Der Große interessiert sich beispielsweise gerade sehr für „Naturkatastrophen“, dann pilgere ich mit ihm in die Bibliothek und wir borgen ein paar Bücher dazu aus und versuchen einen „Tornado im Glas“ nachzumachen. (Einen interessanten Artikel zu den verschiedenen „Spielphasen“ gibt es dazu hier.) Viele Anregungen wie man passende Materialien altersgerecht zur Verfügung stellen kann, finde ich immer am Blog „Eltern vom Mars“.

Das aber alles mit dem Ziel: weniger Spielzeug. Das macht es übersichtlich, einfacher und irgendwie schöner.

Für die Kinder und uns Eltern.

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Alles Liebe Birgit

PS By the way – ich war in einer unangekündigten Sommerpause, brauchte eine kleine Auszeit 😉

PPS Zum Thema Spielzeugfreies Kinderzimmer gab es einen ganzen Blog, leider ist er inzwischen nicht mehr aktiv.

Für später pinnen:

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13 Comments

  • Reply Natalie Weigel 08/24/2017 at 20:06

    Liebste Birgit,
    wir haben zur Zeit auch Spielzeugfreie Kinderzimmer. Nun gut, wir haben zur Zeit noch nicht einmal Kinderzimmer, da wir umbauen. Alle Spielsachen, bis auf ein paar Kuscheltiere sind im Keller gelandet und es fehlt den Kindern an nichts! Meine große Tochter spielt sowieso niemals mit Spielsachen. Ihr Barbietraumhaus steht unbespielt im Keller, genauso wie Lego, Schleichtiere und Brettspiele. Sie ist den ganzen Tag draußen im Garten, baut sich Lager, Häuser und sonstiges und braucht tatsächlich nur Natur- und Alltagsmaterialien. Schwierig wird es immer an ihrem Geburtstag und Weihnachten, wo alle nachfragen, was sie ihr schenken sollen. Sie selbst hat darauf meist keine Antwort und ich auch nicht. Wer nicht fernsieht, sieht auch keine Werbung.
    Wenn wir wieder Kinderzimmer haben, werden wir es ähnlich halten wie du. Nur wenige ausgewählte Sachen kommen nach oben und werden von Zeit zu Zeit durch „neue“ ausgetauscht.
    Herzliche Grüße
    Natalie

  • Reply Lisa 08/25/2017 at 06:34

    Hallo,

    ich finde die Idee super! Denn wenn ich eines inzwischen bemerkt habe: Die Kinder spielen schöner und kreativer, wenn sie weniger Spielzeug zur Verfügung haben. Daher sortiere ich regelmäßig aus, verfrachte Zeug in den Keller und wechsele nach einiger Zeit erneut aus. Und am meisten mag ich Spielzeug, das möglichst wenig „vorgibt“, sondern vielfältig bespielbar ist.
    Allerdings geht „Spielzeugfrei“ ja eigentlich nicht wirklich 😉 Denn plötzlich werden das Bett, ein Stuhl oder ein Schal zum Spielzeug – so, wie bei Kindern alles plötzlich zum Spielobjekt werden kann.

    Liebe Grüße 🙂
    Lisa

  • Reply Claudia Schramel 08/25/2017 at 08:48

    Hallo,
    ich war 17 Jahre Tagesmutter und hatte das Projekt 3 Monate lang mit Kindern im Alter von 1 – 3 Jahren laufen. Nach meinem Haupturlaub waren die Spielsachen einfach im Urlaub geblieben. Die Kinder hatten Matratzen, Decken, Pölster, Stühle, Tische und Regale in der 1. Phase zur Verfügung. Ich hielt mich in der Beobachterrolle. Folgendes durfte ich feststellen: Die Kinder wurden motorisch viel aktiver, sie traten ganz stark in Interaktion miteinander, der Lärmpegel in der Gruppe stieg besonders in der Anfangszeit enorm an, Die Kinder kamen merklich in Sprache und wurden viel aufmerksamer. Mit der Zeit kamen Kartons,WC Papier, Papier und Stifte sowie Bücher dazu. Die Eltern beobachteten, dass die Kinder zu Hause viel intensiver und ausdauernder mit ihren Spielsachen spielten. Es war eine tolle Erfahrung die ich nur empfehlen kann.
    Liebe Grüße Claudia

    • Reply Nanne 08/25/2017 at 19:13

      Danke für die Rückmeldung! Das finde ich sehr spannend, und da ich auch überlege vielleicht mal als Tagesmutter zu arbeiten (werde demnächst zur Infoveranstaltung gehen), nehme ich das ggf. als Anregung mit.

    • Reply Anonymous 08/25/2017 at 19:25

      Hallo Claudia, warum hattest du es nur 3 Monate laufen und wie hast du dann weitergemacht???

  • Reply Lily 08/26/2017 at 06:59

    Tolles Projekt. Ich habe gleich auch wieder aussortiert. Spielzeugfrei sund wir lange noch nicht aber viel luftiger! Danke für die Inspiration ❤

  • Reply Lily 08/26/2017 at 07:00

    Tolles Projekt. Ich habe gleich auch wieder aussortiert. Spielzeugfrei sund wir lange noch nicht aber viel luftiger! Danke für die Inspiration ❤

  • Reply Regina 08/29/2017 at 06:58

    Hallo,das geistert mir auch schon so lange im Kopf herum. Ich hab mich einfach nicht getraut…nun werde ich es dich Mal in Angriff nehmen.
    Vielen Dank für die Ermutigung und den guten Artikel.
    Schöne Grüße Regina

  • Reply oh what a room:Minimalismus-Update: was sich bisher getan hat - 12 Erkenntnisse und Fakten - oh what a room 10/07/2017 at 14:39

    […] gibt es hinreichend Infos im Netz zu finden (ein schöner Blogbeitrag dazu ist zum Beispiel dieser hier von Birgit). Und was hat diese Erkenntnis mit mir zu tun? Tja, ganz aktuell hab ich nämlich bisher keinen […]

  • Reply Anne Sommerlad 10/08/2017 at 08:46

    Hi,
    wir haben auch kürzlich das Zimmer unserer großen renoviert und die Chance genutzt mal auszumisten. Die Sachen mit denen sie wirklich super viel und gerne spielt wie Playmobil und ihre Schleichtiere sind geblieben und der ganze andere Mist (Ü-Ei-Figuren, Kleinkram aus Mitgebseltüten etc.) ist in die Tonne gewandert. Bei der Kleinen werde ich demnächst mal ausmisten weil die außer mit Puppen eh mit nix anderem spielt ☺
    Bei gutem Wetter brauchen meine Kinder auch überhaupt kein Spielzeug weil sie den ganzen Tag draußen sind. Und bei schlechtem Wetter eben das oben genannte oder Bastelkram, Knete oder Brettspiele/Puzzle.
    Lg Anne

  • Reply Andrea 10/11/2017 at 12:50

    Hallo,
    gratuliere dir zu deinem tollen Artikel. Das ist wirklich ein sehr interessantes Thema.
    Ich bin nicht nur vierfache Mama sondern bald schon zweifache Oma. Noch dazu bin ich päd. Verhaltens/Konzentrationstrainerin und erlebe täglich n meiner Praxis, wie die meisten Kinder mit der heutigen Reizüberflutung zu kämpfen haben. Dieser Minimalismus wäre für viele sehr hilfreich.
    Wobei ich sagen muss, als Oma beschenke ich meinen Enkel schon sehr gerne, jedoch zumindest mit wertvollem
    Babyspielzeug

    Liebe Grüße Andrea

  • Reply Kim 11/13/2017 at 09:18

    Mein Kommentar ist offtopic, aber kannst du mir verraten, woher du die schönen Planeten Sticker hast?

    LG Kim

  • Reply Florentina 11/17/2017 at 16:13

    Liebe Birgit!

    So ein chaosfreies Zimmer ist wirklich super. Darin sind die Kleinen nicht überstimuliert und können ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Was hältst du von der Idee Spielzeuge für kurze Zeit auszuborgen und dann auszutauschen? So hat man immer nur wenige Spielzeuge und wenn sie langweilig werden, landen sie nicht im Keller, sondern machen einem anderen Kind eine Freunde. Wir bieten diese Möglichkeit in unserem österreichischen Spielzeugverleih PicoClan an. Wir würden uns freuen, wenn du uns einmal besuchst auf http://www.picoclan.at!

    Alles Liebe,
    Florentina

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