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Warum weniger Spielzeug viel besser ist {weniger ist mehr im Kinderzimmer #4}

05/21/2014

Spielzeug (1 von 1)_klein

Das Glückshaus ist immer noch eine Krankenstation. Jetzt ist das Glücksbaby dran. Ich nenne das die Krankheitsspirale des Horrors. Einer nach dem anderen kommt dran und in der Mitte rotiert die Mama.

Solche Ausnahmesituationen offenbaren dann immer, wie chaotisch das Leben mit zu viel (Spiel-)Zeug ist, wenn keine Zeit, Kraft oder Lust mehr bleiben dauernd aufzuräumen. Eine Woche mit kranken Kindern drinnen eingesperrt und schnell weiß man nicht mehr, wo man hinsteigen soll. Ich komme also noch einmal zu meinen Lieblingsfragen der letzten Wochen: „Wie viel Spielzeug brauchen Kinder?“ und vor allem

Ist weniger Spielzeug nicht viel besser?

Die Fragen haben mich veranlasst, mich einmal im Kindergarten des Glückskindes genauer umzuschauen. Ein Montessorikindergarten und mir ist schon oft aufgefallen, dass das Spielzeugangebot dort begrenzt ist, das dem Glückskind aber überhabt nichts ausmacht.

Ich habe eine der Pädagoginnen gefragt, ob sie Vorteile sieht, wenn den Kindern weniger statt mehr angeboten wird, und habe daraus eine kleine Liste erstellt.

Weniger Spielzeug hilft Kindern beim Lernen.

Das (klein-)kindliche Gehirn funktioniert wie ein Schwamm, es saugt alles auf. Wird es also mit Reizen überflutet, hat es einiges zu tun. Reduziert man äußere Reize auf ein moderates Maß, ist es leichter für Kinder neue Dinge zu verarbeiten und damit leichter, dazu zu lernen.

Weniger Spielzeug hilft Kindern beim Ordnung halten und orientieren

Je mehr wir besitzen umso leichter verlieren wir die Übersicht, ist der Kasten zu voll, ärgert man sich, weil es mühsam ist, das Lieblingsstück zu finden. Da geht es Erwachsenen und Kindern gleich. Mit weniger Sachen ist es leichter Ordnung zu halten und auszuwählen.

Weniger Spielzeug unterstützt die kindliche Kreativität

Im Konzept des „Spielzeugfreien Kindergarten“ ist die Förderung der Kreativität ein großes Ziel. Und es behält recht. Wenn man es den Kindern erlaubt, dass sie experimentieren und zweckentfremden dürfen, dann zeigen sie großen Einfallsreichtum, das befriedigt den kindlichen Forscherdrang und unterstützt die Kreativität.

Weniger Spielzeug hilft Kindern zu lernen, respektvoll mit Dingen umzugehen.

Wenn es weniger gibt, lernen Kinder auch einen „besseren“ und ordentlicheren Umgang mit Spielsachen in einer wertschätzenden Art und Weise. Aber nicht vergessen: Kleine Kinder lernen sehr viel durch Nachahmung, wenn die Erwachsenen sich nicht wertschätzend gegenüber Materialien und Dingen verhalten, werden Kinder das Verhalten auch nicht zeigen.

Weniger Spielzeug hilft Kindern dabei, das Warten zu lernen.

Gibt es nur ein Auto, muss man halt warten, bis es frei wird, um spielen zu können. Das Kind lernt auf natürliche Weise zu warten und etwas Frustration zu ertragen, ohne dabei großartig belehrt zu werden. Es bekommt lediglich eine Anleitung mit dem „Problem“ umzugehen (Damit spielt gerade Peter. Bitte warte, bis er fertig ist, dann kannst du damit spielen.). Das Kind fasst das nicht als Disziplinierung auf und geht gestärkt aus dieser Situation heraus.

Spielzeug ist gut, weniger ist besser.

Das sind nur einige der Vorteile, die weniger Spielzeug bringen. Studien rund um das Projekt „Spielzeugfreier Kindergarten“ gehen sogar noch weiter und Ergebnisse zeigen, dass durch weniger Spielzeug wichtige Kompetenzen gestärkt werden, wie Konfliktlösungsfertigkeiten, Sozialkompetenzen und einiges mehr.

Wer dazu mehr lesen möchte, liest hier.

Und eine weitere Liste von Vorteilen findet ihr auch noch im Minimalismusblog von Joshua Becker hier.

Spielzeug zu haben ist schön, gut und wichtig, aber es lohnt sich bestimmt einmal nachzudenken, welche Vorteile es bringt, etwas weniger im Kinderzimmer anzuschaffen.

Alle Liebe

vom Fräulein

19 Comments

  • Reply Frau L. 05/21/2014 at 19:42

    Für die Eltern hat wenig Spielzeug den Vorteil, dass weniger Aufzuräumen ist 😉
    Im Ernst, ich bin froh, diese Argumente noch einmal so schön zusammen gefasst zu lesen, denn manchmal frage ich mich, ob ich meiner Tochter nicht dadurch etwas vorenthalte, dass wir wenig Spielzeug zuhause haben.
    Ich habe festgestellt, dass meine Tochter (22 Monate) konzentrierter spielt, wenn sie weniger zur Auswahl hat; wenn es zu viele Dinge gibt schmeisst sie eher damit herum oder zieht alles aus dem Regal ohne wirklich damit zu spielen.
    Angeregt von Anna (Eltern vom Mars) bewahre ich Spielsachen nun in Körbchen auf und rotiere ich ihre Spielsachen und Bücher. So gibt es ab und an „neues“ Spielzeug, ohne dass ich welches kaufen muss.
    Wie bewahrst Du Spielsachen denn auf? Vielleicht ist das Glücksbaby noch zu klein, aber mit zwei Kindern ist es sicher noch einmal eine andere Herausforderung.

    • Reply Fräulein im Glück 05/22/2014 at 12:50

      Das kenn ich auch. Ich habe bei Festen immer ein bisschen ein schlechtes Gewissen, ob es dann eh genug Geschenke gibt und ärgere mich aber dann über mich selbst, denn mehr als zwei drei sind sogar für ältere zuviel. Die werden dann nur aufgerissen und nicht angeschaut.
      Ich versuch für mich dann immer die Sicht ein bisschen zurecht zu rücken.
      Wir bewahren die Sachen in Kisten auf. Auto-Kiste, Duplo-Kiste, Stofftier-Kiste, alles was durcheinander ist, wird gar nicht bespielt, vielleicht wenn das Glückskind älter ist.
      Und ja obwohl das Glücksbaby noch klein ist und ich wirklich aufs sich automatischvermehrende Zeug schaue, gibts jetzt schon wieder viel mehr Dinge. Unendliche Geschichte.

  • Reply Franka 05/22/2014 at 06:56

    Da diese Zeit bei uns schon lange vorbei ist, habe ich mir darüber gar keine Gedanken mehr gemacht. Minimalismus im Kinderzimmer – sehr wichtig, wie ich finde. Die Gründe hast du ja alle schon genannt. Reizüberflutung kann zu nichts Gutem führen, eher zu Überdruss und Langeweile, von Phantasielosigkeit ganz zu schweigen. Wenn man kein Spielzeug hat, ist die ganze Welt voller natürlichem Spielzeug.
    Liebe Grüße, Franka

  • Reply Franka 05/22/2014 at 07:04

    P.S. Gute Besserung euch allen.

    • Reply Fräulein im Glück 05/22/2014 at 12:51

      Danke schön und ja stimmt, noch macht der Junior aus allem Spielzeug, Hauptsache man kann damit spielen, der Rest ist egal.

  • Reply trix 05/22/2014 at 09:36

    Gute Besserungswünsche ins Glückshaus … 🙂

    Als Pädagogin und Mutter zweier Buben kann ich sagen: stimmt. Meine beiden sind am Glücklichsten, wenn sie mit Naturmaterialien zugange sind. Aus allem wird irgendwas gebaut und gebastelt und konstruiert. Den Freiraum lasse ich ihnen auch. Die einzige Regel: Stöcke bleiben draussen!

    Wobei der Kleine absoluter Lego-Freak ist. Was auch okay ist. Als sie jünger waren, mussten wir vor allem die Eltern meines Mannes im Kaufrausch ausbremsen und haben dann z.B. für Weihnachten ein Thema gewählt, damit das Ganze überschaubar bleibt.

    Der Große rutscht jetzt in die Pubertät, da ändert sich eh alles. Bücher allerdings sind ein absolutes Muss bei uns. Und davon gibt es haufenweise … da krieg ich das einfach nicht hin mit dem Minimieren. Aber es gibt durchaus Schlimmeres.

    Es ist auch immer eine Frage, inwieweit Eltern auf Spielzeug eingestellt sind. Plastikgebimmel fand ich schon immer sehr schräg. Ich kenne Familien, da lebt der Geräuscheterror förmlich im Kinderzimmer auf. Wozu nur? Es geht auch anders. 🙂

    lg

  • Reply Fräulein im Glück 05/22/2014 at 12:55

    Oh schön noch eine Pädagoginnen-Bestätigung zu bekommen.

    Bei uns gibts auch die Regel dass die Stöcke draußen bleiben müssen (ich glaub für die Steine werd ich’s auch einführen, die fliegen manchmal rum)

    Und mit der Einstellung hast du so recht, seitdem ich Konsumkritischer geworden bin, kommt mir vieles seltsam vor, was ich früher ganz normal fand.

    Bin gespannt was ich in 20 Jahren dazu sage 🙂

  • Reply Stadtmama 05/22/2014 at 18:57

    Oh ja, du spricht mir aus der Seele. Ich sortiere regelmäßig aus und packe weg, damit sie nicht zu viel gleichzeitig im Angebot hat. Vor allem, als meine Kleine noch klein war, hatten wir viel zu viel Zeugs – da ging es nicht ohne aussortieren. Aber was soll man machen, wenn jeder, der kommt auch etwas mitbringt. Kann man den Leuten auch nicht böse sein …
    Das einzige, was absolut immer in Verwendung ist, ist ihre Küche und das Lego Duplo. Aus letzterem kann man so viele tolle Sachen bauen, da gehen ihr nie die Ideen aus … und jetzt ist sowieso Sommer da ist die beste Beschäftigung Regenwürmer suchen im Garten … 😉

    @trix kann ich nur bestätigen: Alles, was bimmelt, habe ich verbannt. Abgesehen davon, dass ich den Krach nervig finde, habe ich nie verstanden, warum man Kinder mit so etwas zudröhnen will. Ich war immer der Meinung, so etwas bringt man nur Eltern (und ihren Kids) mit, die man für irgendetwas bestrafen will. Aber manche stehen ja drauf, sonst würde sich das Zeug nicht so gut verkaufen …

  • Reply Frieda 05/22/2014 at 20:38

    Hallo Fräulein im Glück,

    ui, unsere beiden Herzbuben (3 und 5) hatten schon ziemlich viel. Neulich haben wir die Zimmer umgeräumt und dabei entmistet.
    Im Schlafzimmer der beiden stehen die Bücher. Im Spielzimmer Lego-Steine, Autos und eine Spielküche. Dort gibt es auch eine Schublade mit Instrumenten.
    Gesellschaftsspiele und Puzzle sind im Wohnzimmer in einem Schrank. Dort sind auch Kapla-Steine (großartig, hätte ich gewusst, wie sehr die bespielt werden, hätte ich auf andere Spielsachen verzichtet) und ein Bauernhof mit Tieren.
    Kleinteile (Autos, Tiere, Bausteine etc.) werden in Kisten aufbewahrt.
    Wir haben vor allem tonnenweise Plüschtiere ohne ideellen Wert und „Kram“ aussortiert, aber auch eine Werkbank, mit der die beiden sehr selten gespielt haben. Ich lege aber auch zwischendurch regelmäßig weg, was überflüssig ist. Das kommt erstmal in eine große Tasche in einem Versteck.
    Zu Weihnachten und zum Geburtstag halten wir es auch so, dass die beiden von uns 2 bis 3 Geschenke (eines davon ist sicher ein Buch) bekommen. Von den Großeltern wünschen wir uns oft nur eine Kleinigkeit (etwas zum Hauptgeschenk dazu oder ein Buch), wenn sie mehr geben möchten, dann gerne etwas für die Spardose oder die Winterausstattung.
    Wir sind damit im Bekanntenkreis allein, meist werden die Kinder wahnsinnig überhäuft – selbst zu Ostern, was für mich völlig unverständlich ist …
    Den Sommer verbringen wir komplett draußen, da bleibt das Spielzeug im Haus sowieso liegen.
    In der Kita der beiden wird viel mit Verpackungen und Naturmaterialien gebastelt, das merken wir auch hier. Jede Papprolle, jeder Joghurtbecher muss in die Bastelkiste.

    Ich wünsche dir und deinen Kindern gute Besserung – das ist sooo anstrengend. 🙁 Vielleicht konntet ihr trotzdem das herrliche Wetter genießen.

    Liebe Grüße aus HH,
    Frieda

  • Reply Reduziertes Kinderzimmer | MamaDenkt.de 05/23/2014 at 14:29

    […] ein paar Gedanken bzgl. Minimalismus und Spielzeug habe ich die vergangenen Wochen immer mal wieder beim Fräulein im Glück entdeckt. Ihre Seite ist eines der Fundstücke im Netz, die ich euch in den kommenden Wochen mal […]

  • Reply Fräulein im Glück 05/26/2014 at 19:46

    Ich bin derzeit auch im Bekanntenkreis noch allein. Manchmal werd ich angeschaut wie ein Alien, als ob ich meinen Kindern nichts gönnen würde, dabei nervt es mich viel mehr, wenn Kinder was geschenkt bekommen, es aufreissen und es dann irgendwie wegschmeißen, da ist keinem gedient.

    Zum Thema Kapla: Ich hab das jetzt schon so oft gehört, dass Kapla so eine tolle Investition sein soll. Dabei erinnert es mich ja ein bisschen an Feuerholz 😉
    Naja vielleicht für den nächsten Geburtstag interessant.

    Liebe Grüße,
    das Fräulein

  • Reply Fräulein im Glück 05/26/2014 at 19:46

    PS Vielen Dank euch allen für die lieben Besserungswünsche, langsam aber sicher wird’s. Leider noch nicht ganz, aber wir kommen wieder an die frische Luft.

  • Reply Nanne 05/29/2014 at 16:52

    Meine Tante hat es bei meinen Cousinen meist so gehalten, dass sie
    a) mitgeteilt hat, was gewünscht wird
    und
    b) meine Cousinen nicht alles auf einmal bekommen haben. Einige Sachen am Geburtstag hat sie dann zurück behalten und die zwei haben sie später bekommen.

    Das fand ich als Jugendliche zunächst komisch, würde das aber heute vermutlich genauso machen.
    Mir selbst tut Reduzieren und „Weniger ist mehr“ total gut. Wieso sollte es meinen (noch nicht vorhandenen) Kindern nicht genauso gehen?
    Wer braucht zwanzig Kuscheltiere? Ein Kind aus dem Freundeskreis hat schon alleine zur Geburt so viele bekommen, dass es die einfach gar nicht richtig benutzen kann. Und oft kristallisiert sich doch ein ganze besonderes Tier heraus.

    Ich finde das Thema total spannend (obwohl es mich noch gar nicht betrifft), aber ich denke, dass besonders Kinder heute zu so richtigen Konsumenten von der Industrie erzogen sollen werden. Haben, haben, haben…

    LG Nanne

  • Reply Nadine Funke 12/12/2015 at 21:57

    Hallo liebes Fräulein im Glück,

    nun ist dieser Beitrag ja schon etwas älter – aber kurz vor Weihnachten für mich sehr aktuell! Dieses Jahr ist das erste „bewusst erlebte“ Weihnachten meiner 2-jährigen Tochter und ich bin etwas geschockt davon, wieviel man so als Kind schon in der Vorweihnachtszeit geschenkt bekommt! Dieses Thema habe ich auch in meinem Blogbeitrag https://daskleinemamaglueck.blogspot.de/2015/12/kind-im-konsumuberfluss-wie-uberstehen.html behandelt und dazu diesen Artikel hier verlinkt.

    Liebe Grüße und in diesem Sinne eine besinnliche Weihnachtszeit,
    Nadine

  • Reply Endlich ein chaosfreies Kinderzimmer & und eine Einladung zur Challenge - Fräulein im Glück 01/08/2016 at 11:20

    […] für Kinder wichtig ist, von weniger Spielzeug umgeben zu sein, darüber habe ich schon einmal hier geschrieben. Aber noch viel wichtiger ist, was es uns als Eltern bringt 😀 , denn mehr Krempel […]

  • Reply Weniger ist mehr: Endlich ein chaosfreies Kinderzimmer #Linktipp – MINI AND ME 01/26/2016 at 21:56

    […] weniger Spielzeug die Kreativität unserer Kinder fördert, hat Birgit bereits vor der aktuellen Challenge beschrieben und ihre Tipps, die oftmals an Maria Montessori erinnern, stimmen weitgehend mit […]

  • Reply Für immer Ordnung im Kinderzimmer? Oder was wir wirklich erreichen können - Fräulein im Glück 02/08/2016 at 20:29

    […] Warum weniger Spielzeug viel besser ist […]

  • Reply Kinderzimmer ausmisten & aufräumen - Ideen, wie es auch langfristig ordentlicher wird - Fräulein im Glück 04/27/2017 at 12:58

    […] von uns oder anderen bekommen und zum Spielen zur Verfügung haben. Im Gegenteil, es gibt genug Gründe, warum weniger mehr im Kinderzimmer […]

  • Reply Projekt: Spielzeugfreies Kinderzimmer, und wie du endlich herausfindest, wie viel Spielzeug dein Kind wirklich braucht - Fräulein im Glück 08/24/2017 at 19:54

    […] zu reduzieren, ganz vorrangig deshalb, um mir selbst das Leben zu erleichtern, aber auch weil es gut für die Kinder ist. Das klappt mal besser, mal schlechter. Im Vergleich zu anderen Kindern, haben meine Kinder sicher […]

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