Achtsamkeit

Warum uns Multitasking erschöpft und wie du dich auch mit Kindern erholen kannst

05/18/2016

Bub in der Natur_b (1 von 1)

Multitasking. Jede und jeder möchte es gerne können, doch eigentlich überfordert es uns.

„Ich glaube, ich bin nicht multitaskingfähig“, sagte neulich eine Freundin zu mir. „Ja stimmt“, habe ich geantwortet, denn niemand ist multitaskingfähig.

Man kann es auch nicht lernen, keiner kann mehrere Dinge gleichzeitig und eigentlich sollte es auch niemand tun (wollen). Ich weiß nicht, wann genau wir begonnen haben Multitasking als so erstrebenswert zu betrachten? Denn wenn wir glauben, wir machen Dinge gleichzeitig, ersparen uns damit Zeit, sind vielleicht die tollen Zampanos, die alles schaffen, dann wechselt in Wirklichkeit unser Gehirn blitzschnell zwischen Aufgaben hin und her und muss damit enorme Zusatzleistungen erbringen. Das laugt aus.

Dazu kommt die tägliche, inzwischen normal gewordene Informationsflut. Das Handy ist immer in greifbarer Nähe und wird – auch von mir- viel zu oft einfach Mal zwischendurch verwendet. Das Handy als Dauerablenkung ist Alltag.

Dabei haben wir als Eltern ohnehin schon so viel Ablenkung. Mit Kindern ist es kaum möglich, unsere Konzentration auf nur eine Sache zu richten. Dauernd quatscht irgendwer drein oder es quatschen gleich mehrere (kleine) Personen „Mama, Mama, MAAAMMMAAA“. Und wenn die Kinder nicht gerade Aufmerksamkeit einfordern, dann scannen wir die Umgebung, wenn auch nicht bewusst, immer wieder nach Gefahrenquellen ab. Selbst mein Schlaf ist nicht mehr derselbe. Ich höre ein Husten durch meterdicke Wände, drei Zimmer entfernt, im geglaubten „Tiefschlaf“, während neben mir der Mann ungestört tief schlummert.

Konzentration auf eine Sache ist anstrengend

Bei allem was wir tun, benötigen wir „intensive Aufmerksamkeit“, Konzentration, unser Geist muss sich fokussieren. Um das zu erreichen, muss unser Gehirn anderer Dinge ausblenden, es trennt für uns automatisch Wichtiges von Unwichtigem. Müssen wir viel ausblenden, wie etwa Kinderlärm, Straßenlärm oder Ähnliches, wird es anstrengender sich zu konzentrieren und Anstrengung macht uns müde. Was passiert, wenn unser Geist müde wird?

Wir erbringen weniger Leistung, wir sind leichter abgelenkt und öfter reizbar.

Auch der Geist muss ausruhen

Gegen diese Art der Müdigkeit bis hin zur Erschöpfung hilft genauso wie nach langer körperlicher Anstrengung einfach nur ausruhen. Den mentalen Muskel entspannen, meint Daniel Goleman in seinem Buch „Konzentriert euch!“. Was wir aber heutzutage so gerne machen und da schließe ich mich überhaupt nicht aus: Wir zerstreuen uns beim surfen, „facebooken“ oder Computer spielen. Das ist aber leider nichts, bei dem sich unser Geist wirklich erholen kann, im Gegenteil, eigentlich müssten wir uns komplett ausklinken und abschalten.

DER Ort der Entspannung: die Natur

Der perfekte Ort dazu ist die Natur, dort können wir besser als überall anders unsere Batterien wieder aufladen. Dort haben wir die Möglichkeit uns zu erholen, um unsere Aufmerksamkeit wieder neu aufzuladen, vorausgesetzt, wir lassen unsere Handys zu Hause. Ein Spaziergang im Wald, einmal Bankerlsitzen im Park pro Tag, sollten wir auf jeden Fall zu einem Ritual machen, einfach als Ausgleich und weil es uns gut tut. Das Schöne dabei, es gibt keinen anderen Ort an dem die Kinder so ausgeglichen sind, wie draußen.

Ist die „intensive Aufmerksamkeit“ die uns so fordert erst abgeschaltet, bleiben immer noch die vielen Gedanken in unserem Geist, die praktisch nie zu Ruhe kommen, die Sorgen über die Vergangenheit, die Vermutungen über die Zukunft. Wir brabbeln praktisch dauernd mit uns selbst. Noch haben wir in unserem Kopf nicht ganz Ruhe, selbst, wenn wir in der Ruhe der Natur sind.

Und dann endlich ganz abschalten

Und wie schalten wir dann wirklich ganz ab? Wir müssen uns auf etwas Entspannendes konzentrieren.

„Der Schlüssel liegt in einem Erlebnis, in dem wir ganz und gar aufgehen, wobei unsere vollständige Aufmerksamkeit im Wesentlichen passiver Natur ist“ (Goleman)

Wo gelingt das am Besten? Zum Beispiel mit Achtsamkeitsübungen, durch Meditation, aber auch beim Sex, beim Singen, beim Spielen mit unseren Kindern und vielem mehr.

So und am Schluss habe ich noch eine Übung für uns:

Übung: Tätigkeiten bewusst starten und beenden

Um zu bemerken, wie oft wir uns ablenken lassen und wie oft wir versuchen Dinge gleichzeitig zu machen, gibt es die „Übung“ etwas bewusst zu beginnen und auch bewusst aufzuhören. Das ist nicht immer leicht. Ich zum Beispiel reagiere so automatisch, wenn das Handy klingelt oder das Kind „Mama“ brüllt, dabei müsste ich ja nicht gleich reagieren. Einfach mal läuten lassen oder ein „ich habe jetzt keine Zeit“ würde da schon helfen. Stattdessen höre ich sofort auf mit dem, was ich gerade tue und es ist oft schwierig wieder zurückzufinden. Wenn wir bewusst merken, wie viel wir eigentlich die ganze Zeit tun und vor allem versuchen noch nebenher zu machen, dann erkennen wir auch besser, wann wir dringend mal raus müssen.

Raus, um einfach mal abzuschalten.

Alles Liebe,

Birgit

12 Comments

  • Reply Jana A 05/19/2016 at 06:49

    Hallo Birgit,
    ein sehr schöner Beitrag. Die Unterbrechungen und das Nicht-beenden von Tätigkeiten raubt mir den letzten Nerv. Das war ich vor der Geburt einfach nicht gewöhnt. Und auch nach 4 Jahren bin ich noch in der Lernphase, damit richtig umzugehen ohne genervt zu sein 🙂

    Viele Grüße
    Jana

    • Reply Birgit 05/27/2016 at 19:36

      Liebe Jana,

      vielen Dank. Ich hab den dreh auch noch nicht 100 Prozent raus, aber ich arbeite dran 😀

      Liebe Grüße,
      Birgit

    • Reply Anonymous 05/29/2016 at 06:27

      Warte ab bis du zwei Kinder hast. Seit 11 Monaten bin ich völlig aus der Bahn….unter Dauerstrom, mir ausgeruht, ständig müde, ununterbrochen gefordert,….

      Neben den Kindern, Haushalt (täglich der selbe Sch… – 😝), Ehrenamt, Taxichauffeurin für den ‚grossen‘ (4 Jahre), Beruf, Beziehung (die hat es leider nicht überlebt).

      Buah! WO ist mein Leben hin?

      Ich sehne mich nach Schlaf. Ungestörten wohltuenden Schlaf, Entspannung, Ruhe und Gelassenheit.

      Gruß Carina, einer Mama am Limit

  • Reply Maria 05/21/2016 at 09:25

    Hallo Birgit!

    Je älter ich werde, desto mehr wehre ich mich gegen Multitasking. Ich merke, dass es mir nicht gut tut und ich dann „zwischen den Welten lebe“ und das will ich gar nicht.

    Deshalb tun mir die Achtsamkeitsübungen wie Du sie auch in Deinem Beitrag ansprichst, auch so gut. Je mehr ich im Moment bin, desto leichter fällt es mir, Multitasking abzuwehren.

    lg
    Maria

    • Reply Birgit 05/27/2016 at 19:37

      Liebe Maria,

      ich bin absolut deiner Meinung, mir gehts genauso.

      Liebe Grüße,
      Birgit

  • Reply Daija 05/21/2016 at 15:59

    Schreibt Goleman auch, dass es unserer Natur entspricht, abgelenkt zu sein? Das habe ich in „the shallows“ gelesen, der Autor begründet es evolutionär. Wir springen so auf die Häppchen des Internets an, weil uns tiefe Konzentration viel abverlangt. So nach dem Moto: wenn wir uns ganz auf die Rosine konzentrieren, die wir gerade essen, bemerken wir den Löwen nicht, der sich gleich über uns her macht.
    Seit ich zwei Kinder habe frage ich mich aber tatsächlich manchmal, wie Konzentration noch gehen kann. Natürlich kann ich mal nein sagen; mal. Wahrscheinlich wird es einfacher, wenn die Kinder älter werden. Aber als Mutter muß eben auch vieles (Popo abwischen, Blutzuckerspiegel ausgleichen, zum Anziehen überreden, …) nahezu gleichzeitig sein. Üben kann ich dann in. Meiner Friezeit.

    • Reply Birgit 05/27/2016 at 19:40

      Liebe Daija,

      Golemans Buch ist wirklich voll von teilweise sehr langweiligen erklärungen 😉 ich glaube um Grundegenommen läuft alles darauf hinaus, dass wir heute in einer Welt leben, die so viel anders ist, als die auf die das Gehirn eigentlich noch eingestellt ist. Unsere Welt entwickelt sich einfach zu rasant. Du hast absolut recht, als Eltern werden wir uns nie nie nieee auf eine Sache konzentrieren können. Vielleicht bin ich deshalb so gerne draußen, weil dort wenigstens ein bisschen mehr Ruhe herrscht 😀

      Liebe Grüße,
      Birgit

  • Reply Judith 05/26/2016 at 19:30

    Du erinnerst mich gerade daran, dass ich viel zu selten abschalte. Nämlich WIRKLICH abschalten, weil ich fast nie nichts tue. Vermutlich gerade mal, wenn ich schlafe. Seit ich Mutter bin, habe ich immer das Gefühl, irgendetwas ist noch unerledigt, dies und das muß ich noch machen und so weiter und so fort. … leider fällt es mir da sehr schwer einmal nichts zu tun. Außer beim Sex vielleicht 😉

    • Reply Birgit 05/27/2016 at 19:41

      Ich kann das sehr gut nachfühlen, vielleicht bin ich deshalb bei diesem Thema gelandet oder ziemlich sicher deshalb.

      Wenn ich die endgültige Lösung hab, geb ich dir bescheid 😉

      glg Birgit

  • Reply Jeannine 05/28/2016 at 20:43

    Und dann immer noch dieses Piepsen. Push-Benachrichtigungen sind so ziemlich das Letzte, sie stören permanent und wir springen nur noch von Ablenkung zu Ablenkung. Ich habe mein Handy die meiste Zeit lautlos und bin auch im Alltag nur eher schwer erreichbar. Das genieße ich total! Dein Artikel bestätigt mich darin nochmal. Zurückrufen ist ja immer noch eine Option… 🙂

  • Reply Weihnachtsstress adé - In 4 Schritten zu einem Weihnachtsfest ohne Stress - Fräulein im Glück 12/12/2016 at 19:42

    […] unsere Handys zu schauen entspannt nicht, es hält unser Gehirn in einer Art Dauerbetrieb. Bei allem was wir tun, benötigen wir „intensive Aufmerksamkeit“, Konzentration, unser Geist […]

  • Reply Smartphone Detox - mit diesen einfachen Schritten endlich mal abschalten - Fräulein im Glück 06/20/2017 at 05:28

    […] unser Handy als Mittel zum Ausstieg verwenden (dass das leider ein Irrglaube ist, habe ich schon hier beschrieben). Verurteilen wir uns also nicht, sondern beobachten unser Handynutzungsverhalten […]

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