Minimalismus Weniger ist mehr

Wie man ein Motivationstief ganz schnell überwindet

01/11/2015

Sauberkeit (1 von 1)

 

Zu Weihnachten hat das große Glückskind im Kiga eine Weihnachtskugel aus Plastik bekommen. Er war begeistert, was für ein Geschenk! Anstatt sie auf den Baum zu hängen, hat er sie zum besten Freund ernannt, „die beste Kugel aller Zeiten“. Betrachtet hat er sie, geherzt hat er sie und nach wiederholten Beteuerungen, wie innig doch diese neue Freundschaft sei, hat er sie unbeachtet in der Küche liegen lassen.

Jetzt räume ich ja schon seit Monaten herum, ich entrümple, ich ordne, ich bin die strengste Kontrolleurin, wenn es darum geht, dass Gegenstände einen Weg in unsere Wohnung finden. Trotzdem habe ich derzeit echt ein „Minimalismus“-Tief. Es stellt sich noch nicht der rechte Erfolg ein, mein Wunsch nach Einfachheit, endlich weniger Chaos, will einfach nicht in Erfüllung gehen. Zwar halte ich mich brav an meine Vorsätze, nicht alles auf einmal zu wollen, mir kleine Ziele zu stecken und es passiert ja auch was, aber mein Leben wird trotzdem nicht leichter.

Das Zentrum des Chaos

Aus mir unbekannten Gründen konzentriert sich das meiste Chaos in unserer Küche. Sie ist quasi Anlaufstelle für Gerümpel aller Art. Jetzt ist unsere Küche ohnehin sehr klein, wenn ich nicht alles sofort wegräume (und hier habe ich leider immer noch nicht meine schlechten Gewohnheiten entrümpelt), dann rächt sich das ungemein, indem absolut nirgends mehr Platz ist, um etwas hinzustellen (hab ich glaub ich schon mehrfach erwähnt).

So auch gestern. Die Küche gerammelt voll, Kinder warten eh schon ungeduldig auf das Essen und das kleine Glückskind schon sehr sehr müde. Ich muss ihn in die Trage auf den Rücken packen, damit ich erst mal die Hände frei habe, um Platz zu machen. Ich merke, wie der Zwerg immer müder wird. Ahhh schneller. Biiiittte jetzt nicht einschlafen (ein 5-Minütiges Powernapping würde meine Abendplanung komplett ruinieren). Ich fange an im Eilzugtempo den Geschirrspüler zu entleeren, und während ich einen Teller versuche in Hochgeschwindigkeit und dabei noch elegant in den Schrank gleiten zu lassen, stößt dieser an ein unnötiges Plastikgeschirrl. Eines von der Sorte, welches man nie verwendet (sowieso nicht, weil man ja „anti-plastik“ ist), aber eben noch hat, weil man ja nicht weiß, ob man es nicht doch iiirgendwann mal braucht. Und dieses unnötige Gschirrl fällt aus dem Schrank, auf einen großen, ja eigentlich riesigen Berg an schmutzigem Geschirr. Wer das Computerspiel „The Incredible Machine“ kennt, kann sich jetzt ungefähr vorstellen, was dann für eine Kettenreaktion in Gang kam. Das unnötige Geschirrl plumpste runter, stieß die Flasche mit dem Geschirrspülmittel um, die stieß einen Topf an und dieser Topf rutschte vom schmutzigen Geschirrberg ab (der mit einem Krachen in sich zusammenfiel) und schoss dabei die beste Kugel aller Zeiten quer durch die Küche.

Sie war übrigens nicht aus Plastik.

Und zerbrach in geschätzte 1 Million Minischerben.

Daneben das Glückskind, das gerade seinen besten Freund verloren hatte, am Rücken das inzwischen schlafende Glücksbaby und am Boden zwischen einer Menge schmutzigem Geschirr, die Überreste der besten Kugel aller Zeiten.

Der Abend war gelaufen, aber immerhin hatte ich mit einem Schlag einen riesen Motivationsschub. Heute habe ich weggeschmissen, was mir in die Finger kam. Das Glückskind hat zur Vorsicht gleich alle seine Sachen in Sicherheit gebracht.

Aufräumen ja, aber bitte nicht als Lebensinhalt

Noch nie war das Gefühl so groß, dass Aufräumen und Organisieren definitiv nicht meine Hauptlebensinhalte sind und nie werden sollen. Das geht eben nur, wenn man wenig hat.

Alles hab ich zwar heute nicht geschafft.

Aber ich bin auf dem Weg dahin und jetzt wieder voll motiviert.

Etwas Leidensdruck hilft dabei ungemein.

Alles Liebe,

Birgit

Foto: Kursikowski

11 Comments

  • Reply Elisabeth 01/11/2015 at 20:44

    Herrliche Beschreibung!
    Ich fürchte immer noch die Powernaps, obwohl die Buben schon 4,5 sind, aber Abendpläne können sie immer noch wie nichts umwerfen.
    Find ich süss, dass dein Grosser kurzfristig so verliebt in sein Kindergartengeschenk war! Es ist immer wieder herrlich zu sehen, dass es nicht grosse, fantastische Geschenke sein müssen, auch für die Kinder nicht.
    Ich hab jetzt schon seit Tagen vor die restlichen Weihnachtssachen wegzuräumen, aber bisher ist nichts passiert, ausser, dass ich die KiGa-Weihnachtsdeko entsorgt habe (eine Kerze und ein paar eingetrocknete Tannenzweige) und dabei natürlich erwischt wurde („Mama, machst du unsere Dekoration kaputt? Die wollt ich fürs nächste Jahr aufheben!“) – ich kenn das mit Motivationstiefs!
    Wünsch dir eine gute Woche!

    • Reply Fräulein im Glück 01/12/2015 at 22:06

      „Mama machst du unsere Dekoration kaputt“ hihihi Kinder sind soooo nett. Bei uns ist das immer ganz besonders mühsam wenn wir Tonnen von bemaltem Papier durchgehen (eines sieht aus wie das andere) „mama, das BRAUCH ich noch!“ aber es sind halt seine Kunstwerke, er würde wahrscheinlich auch über meinen Blog lachen 😉

  • Reply Dina 01/11/2015 at 21:29

    „Noch nie war das Gefühl so groß, dass Aufräumen und Organisieren definitiv nicht meine Hauptlebensinhalte sind und nie werden sollen. Das geht eben nur, wenn man wenig hat.“
    Das glaube ich langsam auch. Bei mir ist das Kind ein Verstärker meiner eigenen Schwächen – Dinge nicht gleich weg räumen, so dass sich Stapel bilden, die zu Gerümpelbergen anwachsen. Manche Sachen müssen einfach weg. Das Plastikgeschirr bin ich auf Freecycle losgeworden. Ohne geht auch. Im Zweifel hilft es Dir dabei, überflüssiges Geschirr loszuwerden (heute war’s ein Glas, welches ich eh nie mochte).
    Organisation ist nicht meine Stärke, und früher habe ich gedacht, dass sie das Problem ohnehin nicht löst. Im Moment bin ich da differenzierter. Für manche Sachen braucht es ein System, um die visuelle Unruhe zu beseitigen.

    Fantastisches Foto übrigens.

    • Reply Fräulein im Glück 01/12/2015 at 22:14

      Ich glaube das ist so, Kinder sind Verstärker. Nicht nur der Schwächen beim Ordnung halten 😉 Apropos überflüssiges loswerden, das kleine Glückskind hat heute gleich eine Schüssel, ein Keramiksparschwein und einen Glasdeckel für mich „entsorgt“.
      Ich bin auch gerade dabei mir ein System fürs Leben anzueignen. Warum lernt man sowas eigentlich nicht in der Schule? 😉

      • Reply Dina 01/13/2015 at 09:41

        Das kritisiert Marie Kondo auch: wir lernen in der Schule & von unseren Eltern alles Mögliche, nur das Aufräumen bringt uns niemand bei. Deswegen haben so viele Leute Schwierigkeiten damit. Erfahrung allein reicht nicht – sie schreibt 25% ihrer KundInnen sind Frauen in den 50ern, die seit 30 Jahren nix anderes machen als Haushaltsmanagement. Es braucht eine systematische Herangehensweise, die den meisten von uns fehlt.
        Ich habe das Buch gestern abgeholt – sehr leichte Lektüre, vielleicht, weil die Umsetzung um so schwieriger ist? Ich werde berichten.

  • Reply Nanne 01/12/2015 at 19:41

    Hallo Birgit,

    irgendwie ist die Geschichte süß. Wir, zwei Erwachsene, schmeißen momentan regelmäßig Gläser, Tassen auf die Erde. Wir wollen zwar neues Geschirr, aber so was das eigentlich nicht gedacht :o)
    Das Foto finde ich auch genial!

    Mir fällt es noch schwer, Ordnung bei Büchern und Zeitschriften und Notizbüchern zu haben. Im Endeffekt liegt es wohl daran, dass ich die am Liebsten im Wohnzimmer lager, wo sie keinen festen Platz haben (eigentlich gehören sie ins Arbeitszimmer). Das ist wohl eine meiner nächsten Baustellen.

    Liebe Grüße
    Nanne

    • Reply Fräulein im Glück 01/12/2015 at 22:15

      Liebe Nanne,
      ich habs eh schon weiter oben geschrieben, aber bei uns geht auch grad viel zu bruch, auch ein Weg zu reduzieren. Und das mit den Notizbüchern kenne ich! Ich arbeite auch dran, gibt also noch viel zu berichten 😉
      Liebe Grüße,
      Birgit

  • Reply trix 01/13/2015 at 15:27

    Das kommt mir sehr bekannt vor. 😉 Und ich schwanke immer zwischen „ich werd wahnsinnig“ und „ich liebe meine Familie“. Wenn ich die Millionen besten Dinge meines Jüngsten aufheben würde, dann bräuchten wir ein größeres Haus. So muss er alle paar Wochen ausmisten. O_o Auch das gehört zum Leben.

    Aber ich kann Dich verstehen, manchmal kommt alles auf einmal und dann regiert nichts anderes mehr als das Chaos. Sei versichert … es wird besser … wenn sie ausziehen. :’D

    • Reply Fräulein im Glück 01/18/2015 at 19:55

      Liebe Trix,

      😀 musste grad sehr lachen, oder doch lieber weinen 😉

      Liebe Grüße,

      Birgit

  • Reply Maria 01/27/2015 at 17:52

    Ordnung zu halten habe ich durch die Kinder gelernt. In den ersten Jahren bin ich im Chaos versunken, das war die reinste Katastrophe.

    Vor den Kindern war ja alles überschaubar. Es war nur meins und ich wusste eh wo alles war und in Wahrheit war da gar nicht so viel. Erst mit den Kindern hat sich das wirklich verändert.

    Ich habe erkannt, dass es plötzlich nicht mehr nur mein Chaos war sondern ich war plötzlich für das Chaos von 3 Personen zuständig.

    Da habe ich begonnen das zu verändern und vorausschauend zu arbeiten.

    Die Küche wurde nach dem Essen sauber gemacht. Weil da waren alle (einschließlich mir) satt und zufrieden.

    Jeden Abend machte ich eine Runde und habe alles geordnet, damit der Tag gut anfangen kann.

    Zuvor habe ich den Morgen gehaßt.

    Ich habe nicht mehr getan als vorher! Es war nur etwas vorausschauender und geplanter und hat mein Leben daher erleichtert.

    lg
    Maria

    • Reply Fräulein im Glück 01/28/2015 at 23:03

      Liebe Maria,

      du schreibst mir aus der Seele. In Wirklichkeit muss ich ordentlich an meinen Gewohnheiten feilen (neben dem Entrümpeln) aber das ist halt echt schwer. Ein bisschen besser ist es, aber noch nicht viel.

      Ich hab noch viel Arbeit vor mir.

      Liebe Grüße,

      Birgit

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