Achtsamkeit

Achtsamkeit in der Beziehung

06/20/2014

Beziehung1

Als ich mit dem Glücksbaby schwanger war, hatte ich plötzlich die fixe Idee, dass ich mit den Kindern alleine wohnen will. Ich lache über diese Schnapsidee noch täglich. Ganz laut.

Damals war mir alles zu viel, der Gedanke an noch ein Kind war zwar schön, aber auch irgendwie beängstigend und das ganze in einer Patchwork-Konstellation, kann so was gut gehen? Irgendwie wollte ich Ballast abwerfen. Die Kinder konnte ich ja schwer wieder zurückgeben, also besser den Mann. Ich komme ja ohne ihn klar. Kein Problem.

Hab ich schon erwähnt, dass ich darüber täglich lache? Ganz laut?

Vor einiger Zeit war ich dann bei einem Workshop der Wertschätzungszone (eigentlich über Aggression beim Kind) und die dortige (beeindruckende und lustige) Workshopleiterin Sandra, erzählte eine ähnliche Geschichte aus ihrem Leben. Sie sagte dann etwas für mich ganz Wichtiges:

Es ist die Beziehung, aus der wir Kraft schöpfen

Um aus der Beziehung Kraft schöpfen zu können, sollte sie gepflegt werden und nicht nur mit Autopilot gesteuert werden.

  • Ich hab dazu ein paar Tipps zusammengefasst, die mir immer mal wieder untergekommen sind und die ich selbst eigentlich sehr brauchbar finde, um die Partnerschaft bewusster und achtsamer zu leben (mit der Umsetzung allerdings ist es oft noch etwas schwierig – entschuldige Schatz!):Bewusst Zeit für den Partner nehmen

Hier steht das erste Kind um halb 6 auf (manchmal früher) und das Letzte geht um halb 9 ins Bett (manchmal später). Zeit für sich bleibt da kaum und Zeit für den Partner dann schon gar nicht. Ein Anfang für mich ist, einen Abend in der Woche alles abdrehen und was gemeinsam machen. (Wer gar nichts gemeinsam machen will, sollte mal im Buch „So viel Liebe wie Du brauchst“ von Harville Hendrix  über Beziehungsausgänge nachlesen)

  • Die kleinen Dinge zählen

Auch in der Partnerschaft noch die kleinen Dinge im Alltagsstress sehen und vielleicht auch mal für Selbstverständliches danke sagen.

Achtsam zu kommunizieren, heißt nicht nur, sich selbst gut wahrzunehmen, sondern sich auch in das Gegenüber einzufühlen und bereit zu sein, die Welt mit dessen Augen zu sehen, aus Achtsamkeitstraining von Jan Thorsten Eßwein. 

  • Wirklich zuhören

Nach einem langen Tag ist das gar nicht so leicht. Ich bin mit meinen Gedanken oft woanders oder schaue einfach auf Gewohnheit mal aufs Handy (ich hasse das so, wenn das andere machen und mache es leider zu oft selbst).

  • & bewusst mitteilen.

Das ist in einer Beziehung für mich der mit Abstand der schwierigste Part. In keine anderen Gespräche interpretiert man so viel hinein, wie in die mit dem Partner (oder noch schlimmer: die mit dem Ex-Partner), gelingt es so wenig, einfach zu beobachten ohne zu werten.

Wie man in der Partnerschaft also achtsamer, besser oder „richtiger“ kommuniziert, da hab ich schlichtweg überhaupt keine Ahnung. Aber einige Kleinigkeiten helfen mir dabei, gelegentlich einen neuen Blick auf ein (Streit-)Gespräch zu bekommen. Ich werte das mal als Anfang. Und das sind sie:

    • Muss ich dem anderen wirklich alles unter die Nase reiben? Oder könnte ich auch einmal was für mich behalten?
    • Und umgekehrt. Nicht sauer brüten und sagen: „Passt eh“, „Ist echt nichts“, sondern sagen, was einem am Herzen liegt (Voraussetzung nur, wenn man es nicht rausbrüllt).
    • Nicht alles persönlich nehmen
    • Meine Schwester sagt immer: „Jeder lebt auf seiner Insel“. Wie man die Welt von dort sieht, kann man oft nicht beeinflussen und hat sicher nichts mit einem Selbst zu tun.
    • Die Unterschiede zum Partner als wertvolle Bereicherung sehen.
    • Übrigens nicht nur mitteilen, sondern auch tiefsinnige Gespräche führen bekommt der Partnerschaft und macht glücklich.

 

  • Ach ja, was ich noch vergessen habe, den guten alten Sex.
    Eine gute Gelegenheit zu üben, ganz im Moment zu sein. Also: Machen! Auch als Eltern. BerlinMitteMom hat da vor Kurzem was dazu geschrieben, das findet ihr hier.

 

Habt ihr Ideen, wie man die Beziehung bewusster leben kann?

 

Alles Liebe

das Fräulein

PS Das ist ein Beitrag, den ich für Sonjas und meine gemeinsame Serie zum Thema “Achtsamkeit” geschrieben habe. Fällt dir auch was dazu ein, dann einfach in den Kommentaren Link posten, ich verlinke dann im Beitrag.

PPS

Bei unserer Aktion entstanden auch auf anderen Blogs viele wertvolle und interessante Beiträge. Wer aller mitgemacht hat, könnt ihr hier nachlesen.

 

 

 

 

 

 

14 Comments

  • Reply Tanja Heller 06/20/2014 at 15:15

    Ich finde die Idee richtig klasse. Ich hatte sie damals auch. Mit einem Kind. Und habe sie umgesetzt. Zum Lachen finde ich sie also gar nicht. Ich fand es immer viel einfacher mit Kind alleine statt Familie zu leben. Vor allem weil das Kind dann nur die halbe Woche bei mir lebte und ich noch meine Freiheit hatte.

    Ich bewundere Familien, wo alle glücklich sind. Ich kenne nur fast keine. Die meisten sind mittlerweile getrennt oder Patchwürg.

    • Reply Fräulein im Glück 06/20/2014 at 20:19

      Liebe Tanja,

      da muss ich doch glaub ich noch was ergänzen. Ich hatte die Idee auch mit einem Kind und hab sie umgesetzt. Ich hab natürlich keine Ahnung was richtig oder falsch in diesen Dingen ist, weil die Patchworkfamilie alles andere als leicht ist und sicher nicht ein Idealmodell, aber ich habe mich damals gegen das „Um des Kindes Willen zusammen bleiben“ entschieden, für das Glückskind natürlich nicht leicht, aber ich glaube fest daran, dass das Familienklima ein ganz wichtiger Faktor ist und wenn das nicht passt und durch nichts besser wird, dann bleibt nicht viel Auswahl.

      Für mich war es das erste Mal die richtige Entscheidung.

      Mit zwei Kindern (noch dazu von zwei Vätern) hatte ich diese Idee dann wieder. Wobei damals die Beziehung schon gepasst hat, es waren anscheinend andere Ängste, außerdem hatte ich mich mit dem Glückskind alleine echt gut eingerichtet. Da hab ich aber echt noch nicht gewusst, dass es mit zwei kleinen Kindern noch einmal ganz anders anstrengend ist. Alleine ein Wahnsinn (bin ja eh oft allein) Ich bewundere ehrlich alle Frauen die ihre Kinder allein erziehen besonders wenn es kleine Kinder sind. Mir war eines alleine schon genug (wobei es natürlich stimmt, wenns beim Vater ist, dann kann man die Zeit wirklich frei genießen). Mit Zweien bin ich lieber zu zweit.

      Aber du hast recht, ich bewundere auch alle die in ihren Beziehungen rund um glücklich sind, ist eben sehr sehr viel Arbeit und manchmal passt es eben auch mit Arbeit nicht.

      Wollte dich wirklich nicht mit meiner saloppen Aussage irritieren.

      Liebe Grüße
      vom Fräulein

  • Reply Dina 06/20/2014 at 20:01

    Ach ja, mein Mitbewohner. Der Größere. Zu dem gehe ich jetzt mal Fußball gucken. 🙂 P.S. Danke für die Ideen.

  • Reply Micha 06/20/2014 at 21:03

    Hatte eben mit dem Mann noch ein Gespräch, in dem wir die fehlende Zeit für einander beklagt haben. Schwierig wird es, wenn man anfängt, sich zu bedauern und den anderen zu beneiden (“Ach, du hast es tagsüber so schön ruhig im Büro und ich habe den Stress zuhause“). Leider tendiere ich zur Zeit etwas dazu :-(, will mich aber bessern.
    LG, Micha

    • Reply Fräulein im Glück 06/24/2014 at 19:50

      Liebe Micha,
      ich kenn das auch. Ich versuch mich dann auch immer zu beobachten. Meistens erst im nachhinein 😉 Aber auch das hilft mir dann beim nächsten Mal schon einen kleinen Schritt weiter.
      Liebe Grüße
      vom Fräulein

  • Reply Sabine 06/22/2014 at 10:44

    Liebe Birgit, ich glaube auch, dass Achtsamkeit in Beziehungen sehr wertvoll ist. Den Anderen so zu sehen, wie er wirklich ist und nicht so, wie ich ihn haben möchte, das gibt schon Klarheit. Sich um Gelassenheit zu bemühen, sich selbst zu beobachten, wie man reagiert, ob es da ein bestimmtes Muster (Autopilot!) gibt…aktives Zuhören, einlassen… mal die ganze Situation miteinander aus der Entfernung zu beobachten.
    Manchmal allerdings bemerkt man auch, dass es nicht mehr gut tut, zusammen zu sein (was dann auch entlastend sein kann).
    Liebe Grüße! Sabine
    http://8same.blogspot.de/2014/06/achtsamkeit-sinnliche-wahrnehmung.html

    • Reply Fräulein im Glück 06/24/2014 at 20:00

      Liebe Sabine,
      danke für deinen Kommentar. Ich habe mit großem Interesse deinen Beitrag gelesen und dir auf deiner Seite geantwortet.
      Liebe Grüße
      vom Fräulein

  • Reply sonja 06/23/2014 at 18:04

    Ein wundervoller Beitrag! So oft geht die Beziehung im Alltag unter! Danke für’s Dran-erinnern!
    Liebe Grüße, Sonja

    • Reply Fräulein im Glück 06/24/2014 at 20:02

      Danke Sonja,
      ich merke durchs schreiben erst, dass ich selbst noch ganz am Anfang stehe und es ziemlich viel Arbeit ist.

      Liebe Grüße
      das Fräulein

  • Reply Eins, zwei, drei, vorbei? Ein Monat Achtsamkeit geht zu Ende | liebevoller leben 06/27/2014 at 20:23

    […] An dieser Stelle ein großes Dankeschön an das Fräulein im Glück und Sonja vom wertvoll-Blog für die Einladung, bei ihrem Motto-Monat mitzumachen. Links zu den anderen BloggerInnen, die im Juni über Achtsamkeit geschrieben haben finde Ihr hier beim Fräulein. […]

  • Reply Achtsamkeit | pünktchen . ein kinderyogablog 06/29/2014 at 13:22

    […] blauem Himmel und bester Laune. Nach einem ausgiebigen leckeren Frühstück hatte ich diesen Blogpost über Achtsamkeit […]

  • Reply Achtsamkeit – Monatsthema Juni | Fundstücke aus dem Internet 07/05/2014 at 14:01

    […] im Glück Achtsamkeit im Alltag Achtsamkeit mit Kindern Achtsamkeit in der Beziehung Mit sich selbst achtsam […]

  • Reply Familie bewusst leben oder was ist Achtsamkeit? - Fräulein im Glück 01/07/2016 at 15:46

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