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Loslassen lernen oder Der Weg zum Abstillen

11/17/2014

Mama und ichEin Kind zu haben kommt mir manchmal wie eine einzige Loslass-Übung vor. Und ich kann nicht gut loslassen. Konnte ich noch nie. Wie sollte es dann bei meinem Kind, meinem kleinen Baby anders sein?

Das Loslassen beginnt schon am Tag der Geburt

Oder eigentlich die Tage oder Wochen davor. Man muss sich unweigerlich damit auseinandersetzen, dass dieses kleine Wesen, das man neun Monate unter seinem Herzen getragen hat, zur Welt kommen möchte. Es ist das erste Abschied nehmen. Und es tut weh. Geistig und körperlich. Heute frage ich mich, ob die Geburt leichter gewesen wäre, hätte ich bewusster versucht loszulassen.

Die nächsten Meilensteine kommen und gehen

In unserem ersten gemeinsamen Jahr ist viel passiert. Das kleine Baby, das eben noch eins war mit mir, schläft plötzlich im eigenen Bett. Es hat angefangen, sich fortzubewegen (im wahrsten Sinne des Wortes) und braucht keine Brust mehr, um sich zu beruhigen. Es ist Zeit für den nächsten großen Schritt.

Es ist Zeit abzustillen

Diesen Schritt zu wagen, hat gedauert. Denn ich war lange nicht dazu bereit. Ich habe es einfach nicht über mich gebracht, das unsichtbare Band zwischen meiner Tochter und mir aufzugeben. Ich hatte Angst, ich würde die enge Beziehung, die Innigkeit zu ihr verlieren. Trotzdem musste ich mich mit dem Gedanken auseinandersetzen, schließlich würde es irgendwann so weit kommen.

In dieser Zeit war das Bauchgefühl mein ständiger Begleiter

Und das war gut so. Denn der Weg des Abstillens verläuft bei jedem anders. Es gibt keinen Masterplan. Mit sechs Monaten hat meine kleine Dame das erste Mal Karfiol zu Mittag gegessen. Ein Monat später kam dann der Nachmittagssnack. Wieder ein Monat später das Abendessen und so weiter. Wir haben uns Zeit gelassen. Und ich sage bewusst wir. Denn manchmal hatte ich das Gefühl, als fiele es meiner kleinen Dame leichter loszulassen, als mir.

Sogar das nächtliche Trinken hat sie kurzentschlossen aufgeben, quasi über Nacht. Einzig und allein das Stillen vor dem Schlafen gehen, im kuscheligen Sessel, ganz nah bei Mama, darauf wollte sie nicht verzichten. Und ich auch nicht.

Bis heute. Sie hatte schon die letzten Tage nicht mehr richtig getrunken und ich hatte das Gefühl, dass es an der Zeit war loszulassen. Es hat sich richtig angefühlt. Für einen kurzen Augenblick, ist sie in ihrem Bettchen gelegen und hat mich angesehen. Ganz ruhig, innig.

Und wir haben beide Abschied genommen

Von einer wunderschönen Zeit. Sie wird mir fehlen.

Die Dame vom Land

21 Comments

  • Reply Ingrid 11/17/2014 at 10:55

    So isst das eben 😉 Die Kleinen bestimmen selbst, wann sie nicht mehr wollen. Ich habe den einen ein Jahr gestillt, den zweiten 7 Monate. Das kann also ganz unterschiedlich sein.
    Alles Liebe dir,
    Ingrid

    • Reply Dame vom Land 11/17/2014 at 19:16

      ja, das stimmt. Jetzt wo ich das auch erkannt habe, gehe ich das beim zweiten Kind (wenn es dann irgendwann so weit ist) sicher entspannter an. Zumindest stell ich mir das jetzt so vor 😉

      Ganz liebe Grüße,
      Susi

  • Reply Barbara 11/17/2014 at 16:39

    Wunderschön beschrieben!mir ist’s vor der Geburt ähnlich gegangen. Mein Kind kam ein paar Tage später als gedacht und die hat sie mir geschenkt,damit ich loslassen kann.das hat geklappt und ich hoffe sie wird mir auch beim abstillen helfen!

    • Reply Dame vom Land 11/17/2014 at 19:18

      Danke! 🙂 Ganz sicher! Ich glaube, man muss einfach in sich hineinhören und Vertrauen haben. Und wenn man das Gefühl hat es passt, ist es auch so. So war das zumindest bei uns.

      Liebe Grüße, Susi

  • Reply Elisabeth 11/17/2014 at 18:20

    Wunderschön geschrieben! Ich habe nur 2 Monate gestillt, obwohl ich mich immer als langzeitstillerin gesehen hatte, aber machgeburtsstress, stillprobleme und hungrige Zwillingsbabys haben mich dann total überfordert. Also leb ich bei euch stillenden Mamas immer auf Abstand mit!
    Alles Liebe aus Dk, Elisabeth

    • Reply Dame vom Land 11/17/2014 at 19:23

      Vielen Dank 🙂 Bei mir hat es auch immer wieder Phasen gegeben, wo ich schon kurz vorm Verzweifeln war. Trotzdem fehlt es mir jetzt ein bisschen… verrückt. Und dann möchte ich noch sagen, ihr Zwillingsmütter seid sowieso meine Helden! Ich kann mir nicht vorstellen, wie man das schaffen kann! Respekt!

      Alles Liebe, Susi

  • Reply Pia 11/17/2014 at 18:26

    Mir fehlen die Worte! Du schreibst so toll und ich freu mich über jeden deiner Beiträge! Danke, dass ich hier lesen kann.

  • Reply Dame vom Land 11/17/2014 at 19:25

    Oh, vielen Dank für deine lieben Worte! Das freut mich ganz besonders!

    Alles Liebe, Susi

  • Reply mia 11/17/2014 at 20:12

    Hallo liebe Dame
    Schon bei der Überschrift habe ich gedacht, das Thema ist gerade auch meins.
    Ich bin eine Stillmama mit ganzem Herzen. Das war nicht geplant, das hat sich
    so ergeben. Kind 1 habe ich nach 19 Monate behutsam abgestillt, um wieder schwanger werden zu können, Kind 2 ist jetzt 22 Monate und ist so gut wie abgestillt. Hier ist nun kein Gedanke an ein neues Baby, aber es ist trotzdem Zeit. Mein Körper mag nicht mehr. Mein Kleiner isst und trinkt gut und muss jetzt nur lernen nachts ohne Brust wieder einzuschlafen. Da es meine letzten Male sind, ich habe nur noch ein Schlueckchen Milch, bin ich schon sehr traurig. Aber man kann die Zeit nicht festhalten und es kommen neue und spannende Zeiten. Und die Erinnerung kann uns keiner nehmen. Liebe Grüße Mia

    • Reply Petra 11/17/2014 at 21:33

      Bei mir ist das Abstillen auch erst knapp 2 Monate her und dein Text hat mich sehr berührt! Zum Schluss (13 Monate alt) habe ich auch nur noch nachts gestillt und es kam nicht mehr viel Milch. Plötzlich kam er nur noch jede zweite Nacht und ich wusste, die Zeit des Abstillens ist ganz nahe. Und dann war es da. Er kam in der 3. Nacht nicht und in der 4. auch nicht und ich versuchte mich an mein letztes Stillen zu erinnern und diesen Moment nochmal festzuhalten.

      LG
      Petra

    • Reply Dame vom Land 11/18/2014 at 07:41

      bei mir war es sehr ähnlich. Ich konnte eigentlich das letzte Mal stillen gar nicht richtig auskosten, weil mir gar nicht bewusst war, dass es das letzte Mal war. Das hat mich im Nachhinein ein bisschen traurig gemacht. Trotzdem bin ich auch irgendwie stolz auf meine kleine Maus, dass sie das so hingekriegt hat. Es sind eben immer gemischte Gefühle. Auf jeden Fall vielen Dank für deine Worte! Ich freu mich sehr, dass meine Empfindungen angekommen sind!

      Alles Liebe für euch!
      Susi

    • Reply Dame vom Land 11/18/2014 at 07:57

      Liebe Mia, ja, genauso ist es! ich war auch sehr wehmütig, als ich gemerkt habe, dass es weniger wird. Aber trotzdem ist es auch gleichzeitig wieder ein Schritt in Richtung Freiheit. Und es ist auch schön zu sehen, dass sie selbstständiger werden. Auch wenn das für uns oft nicht so leicht ist… ich wünsch euch auf jeden Fall alles Gute für euren Weg!

      Alles Liebe, Susi

    • Reply Dame vom Land 11/18/2014 at 08:00

      Liebe Mia, liebe Petra,
      ich hoffe, ich hab euch jetzt nicht mit Mails bombardiert, hatte gerade ein Problem mit der Kommentarfunktion. Wenn doch, bitte entschuldigt 🙂
      Ich wünsch euch noch einen schönen Tag!
      Alles Liebe, Susi

  • Reply Marijana 11/17/2014 at 22:02

    Hi,

    mir kommen gleich die Tränen so schön hast du euer Abstillen geschrieben.
    Meine Kleine könnte sich da ein Beispiel nehmen…
    Liebe Grüße

    Marijana

    • Reply Dame vom Land 11/18/2014 at 07:49

      ich muss sagen, dass ich beim Schreiben auch einen Kloß im Hals hatte und es freut mich sehr, dass meine Gefühle bei dir angekommen sind.
      Und für deine Kleine: lasst euch Zeit, sie vergeht eh so schnell…

      Alles Liebe, Susi

  • Reply Marlene 11/21/2014 at 15:07

    Das hast du aber schön geschrieben, sehr lyrisch. Bei mir ist es auch gerade so weit, sehr ähnlich – und du hast recht. Jetzt gilt es innehalten, den Moment noch einmal ins Gedächtnis einprägen und dann loslassen. Ist schliesslich toll, dass die Kleinen das so gut alleine wissen.
    Liebe Grüsse, Marlene

    • Reply Dame vom Land 11/23/2014 at 12:49

      danke 🙂 ja, da hast du recht! ich wünsch euch alles Gute für die Zeit!

      Alles Liebe, Susi

  • Reply Betty 11/22/2014 at 15:26

    Tante Betty ist stolz auf euch 🙂

    • Reply Dame vom Land 11/23/2014 at 12:49

      danke! das ist so lieb von dir 🙂

  • Reply Hannah 11/23/2014 at 12:20

    Toll, wie einfühlsam du den Prozess des Abstillens beschreibst! Viele Mütter sehen Stillen ja eher als Belastung an, da man einfach mehr gebunden ist. Enger an das Baby, aber auch enger an eine fixe zeitliche Struktur. Man muss sich mehr an das Kind anpassen, ist weniger flexibel und ist ganz alleine zuständig für die Fütterung des Kindes. Ich persönlich habe die Stillzeit auch sehr genossen. Durch den engen Körperkontakt baut man eine starke Mutter-Kind-Bindung auf und schafft Vertrauen. Es war immer wieder ein ganz besonderer, emotionaler Moment, der einem als Mutter durch das Stillen geschenkt wird.

    • Reply Dame vom Land 11/23/2014 at 12:51

      Zwischendurch war es für mich schon auch eine Belastung. Und es stimmt alles, was du sagst! Vor allem in der ersten Zeit, wo man sich erst daran gewöhnen muss, war es oft nicht einfach. Trotzdem ist es eine unvergleichlich schöne Zeit, genau so wie du es beschreibst. Es ist einfach ein ganz besondere Bindung!

      Alles Liebe, Susi

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