Familie

Warum die Trotzphase so wichtig ist & ein Buchtipp, um sie gut zu überstehen: „Die Trotzphase ist kein Ponyhof“

08/27/2017

Die Trotzphase ist kein Ponyhof - Fräulein im Glück - der nachhaltige Mamablog

Man sollte meinen, irgendwann ist die sogenannte „Trotzphase“ zu Ende. Im Hause Glück wird der Jüngste ja bald vier Jahre alt, also lange sollte es nicht mehr dauern, denn im neuen Buch meiner Bloggerkollegin Christina „Die Trotzphase ist kein Ponyhof“ steht, dass „das Ende der Trotzphase rund um das vierte Lebensjahr“ zu erwarten ist. Trotzdem stand ich heute vor einem tobenden Kind, als es bemerkte, dass ich einen Fleck schon weggewischt hatte, den es eigentlich selbst wegmachen wollte.

Das Tröstliche ist, die unkontrollierten Gefühlsausbrüche werden wirklich schon weniger. Ich finde sogar, sie waren schon mit dem zweiten Kind viel seltener und leichter zu managen. Vielleicht bin ich jetzt die routiniertere Mutter, vielleicht ist es eh bei jedem Kind anders oder vielleicht habe ich einfach nur mehr Glück als am Anfang 😀 Jedenfalls ich fürchte mich nicht mehr so sehr vor „Trotzanfällen“.

Die Trotzphase positiv sehen

Was mir jetzt viel leichter gelingt als früher ist, auch die guten Seiten der „Trotzphase“ (ich schreibe „Trotz“ immer in Anführungszeichen, da es ja eigentlich nicht richtig ist die Kinder als „trotzig“ zu bezeichnen, ist es ja einfach ein sehr gefühlsbetonter Weg in die Selbstständigkeit) zu sehen und ja, die Trotzphase hat ihren Sinn und ja, der Sinn erschließt sich nicht immer gleich, aber Christina hat ihn in ihrem Buch sehr treffend zusammengefasst, denn für Kinder sind Wutausbrüche mit ganz vielen wertvollen Erfahrungen verbunden und das gibt auch den Eltern Kraft:

In der Trotzphase lernen unsere Kinder (im Idealfall):

  • Ihren eigenen Willen zu entwickeln
  • Dass man die Spannungen, die bei einem Konflikt entstehen auch aushalten kann.
  • Dass im Leben nicht alles reibungslos verläuft, aber die Eltern sie trotzdem lieb haben 🙂
  • Und dass es in Ordnung ist, seine Gefühle zu zeigen (wie man das den Kindern zeigen kann, kannst du hier nachlesen)

Natürlich hilft einem dieses Wissen als Mutter oder Vater nicht immer, wenn man mitten in einem Wutausbruch steht, aber wenn ich all die Trotzanfälle (die der Kinder & meine) noch einmal durchdenke, dann merke ich, ich habe über meine eigene Gefühlswelt so viel dazu gelernt und sehe jetzt rückblickend, auch wie viel ich schon geleistet habe.

Trotzanfall – was tun? Ein Buch mit vielen Tipps

Dazu ist es aber gut zu wissen, was man genau bei den Trotzanfällen versuchen kann, damit es dem Kind und einem selbst schnell besser geht und vor allem alle oben genannten Effekte auch wirklich eintreten.
In „Die Trotzphase ist kein Ponyhof“ gibt es dazu ganz viele Tipps. Christina hat alle Situationen mit Kind, die in der Regel trotzgefährdet sind, durchgedacht, vom Anziehen & Frühstücken bis zum Zähneputzen & Schlafengehen und beschreibt wirklich sehr witzig und erfrischend, wie wir mit unseren Kindern auf Augenhöhe auch die konfliktreichsten Situationen entspannt meistern können.  Was ich besonders mag an dem Buch ist, dass es auch ein „Das machen die anderen“ gibt: Eltern erzählen, wie sie Lösungen für schwierige Momente gefunden haben. Das ist deshalb fein, weil man erstens sieht, dass man nicht alleine ist & zweitens, jedes Kind ist anderes, es gibt nicht DIE Lösung, aber man kann ja gleich die Erfolgsrezepte der anderen durchprobieren 😀

Die Trotzphase ist kein Ponyhof - Fräulein im Glück - der nachhaltige Mamablog

Was können Eltern in der Trotzphase lernen?

Übrigens rückblickend habe ich für mich in der Trotzphase meiner Kinder etwas ganz wichtiges gelernt (also neben großer Selbstbeherrschung und viel Wissen über meine eigene Gefühlswelt 😉 ): Ich sehe die Probleme meiner Kinder jetzt mit anderen Augen.

Früher dachte ich, die Kinder müssten doch einfach tun, was ich ihnen sage, am besten gleich. Ich sah nicht, dass was in meinen Augen „einfach tun“ war, für die Kinder vielleicht gar nicht so einfach ist.
Neulich zum Beispiel brach ein Rotorblatt vom Spielzeughubschrauber meines Jüngsten ab. Die Trauer war groß. Wir boten an, den Hubschrauber zu reparieren, aber er wollte es nicht zulassen. (hää?!?) Er betonte immer wieder und wieder, dass er mit ihm spielen will. Jetzt. Und brüllte dabei, dass sein Kopf rot wurde. Früher hätte ich wahrscheinlich selbst – hilflos – irgendwann gebrüllt „kannst du ja eh“, planlos, was ihm fehlt und wie ich ihn beruhigen sollte. Aber heute bleibe ich viel ruhiger und fragte mich vorsichtig durch, mit ehrlichem Verständnis für seine Wut.
Als er sich beruhigt hatte, fand ich auch heraus, warum er so verzweifelt war, nicht weil der Hubschrauber kaputt gegangen war, sondern weil er Angst hatte, dass er damit jetzt nicht mehr spielen konnte. Darauf muss man mal kommen, das hätte ich früher nie gesehen. Danach war es schnell mit einem „du kannst ja noch spielen“ geklärt.

Ich sehe jetzt, dass hinter jedem Trotzanfall ein ehrliches Problem steht, das für unsere Kinder eben manchmal groß ist, auch wenn ich es selbst als klein betrachte.

Ich habe gelernt ehrliches Mitgefühl zu zeigen und meinen Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, ihre Gefühle immer ernst zu nehmen. Und so hat für uns alle die Trotzphase endlich ihren Schrecken verloren (auch wenn’s manchmal noch mühsam ist ;-)).

Zum Buch:
Die Trotzphase ist kein Ponyhof – Der Eltern Survival-Guide
von Christina Tropper & Alexander Smutni-Tropper
Gibt es zum Beispiel hier

PS ich habe auf Seite 120/121 von „Die Trotzphase ist kein Ponyhof“ bei „Gründe für kleinkindliche Wutanfälle“ so viel gelacht, also unbedingt bis zum Schluss lesen 😀

 

 

 

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