Minimalismus Nachhaltigkeit Weniger ist mehr

Schluss mit schnell {Doku-Tipp}

09/07/2014

schluss mit schnell

Es kommt selten vor, dass ich täglich Blogposts raus feuere aber heute muss ich, denn ich hab gestern Abend die Doku „ Schluss mit schnell“ auf arte.tv gesehen und vieles was darin gesagt wurde, lässt mich nicht mehr los.

Die Botschaft der Doku ist nicht neu, aber rennt bei mir offene Türen ein: Weg vom Egoismus unserer Gesellschaft, weg vom immer mehr, vom immer schneller, denn so zerstören wir uns und unseren Planeten (ziemlich rasch anscheinend).

Die einzige Chance die wir noch haben: Ein Umdenken wieder hin zur Gemeinschaft, zur Besinnung aufs Wesentliche.

Beim Anschauen kamen in mir ganz viele Gefühle hoch, von Ungläubigkeit („Gibt’s das wirklich, dass wir Menschen so eine idiotische Spezies sind?) bis hinzu Hoffnung und Verwunderung („Wow, was Menschen erreichen können, wenn sie sich zusammen tun“)

Ich habe dann vor dem Einschlafen noch viel über mein eigenes Verhalten nachgedacht, über die Selbstverständlichkeit, was ich alles vom Leben erwarte und auch nehme, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Wie verschwenderisch ich trotz bester Vorsätze ich immer noch bin.

Sichtweise zurecht rücken

Gestern habe ich mein Mittagessen aus selbst angebauten Bohnen gekocht. Ich musste noch welche dazu kaufen, weil ich nicht genug hatte. Den ganzen Sommer hab ich gepflanzt und gearbeitet und es geht sich nicht einmal eine ganze Mahlzeit aus, das wäre nämlich noch mehr Arbeit und nicht nur Arbeit, sondern auch Wissen, wie die Natur funktioniert, was sie braucht und wie was wo gut zusammen wächst. Nur ist das Wissen bei mir und wahrscheinlich vielen anderen verloren gegangen. Ich weiß nicht wie die Natur funktioniert. Wie auch? Ich habe im großen und ganzen gelernt, wenn ich etwas brauche, dann kauf ich es. Wo es herkommt, war nicht so wichtig. Ich kaufe den Großteil meines Essens in Plastik abgepackt, Plastik ist für mich vertrauter als die Blätter einer Bohnenranke.

Es gab Zeiten da mussten die Menschen sich auf die Gemeinschaft besinnen, alleine über den Winter kommen? Unmöglich. Nicht nach den Gesetzen der Natur zu leben? Keine Chance.

Ich bin froh darüber, dass ich heute lebe, dass ich nicht ums Überleben kämpfe, wenn meine (Bohnen-)Ernte schlecht war. Aber hie und da daran zu denken, woher die Dinge kommen, was wir alles haben (wollen) und davon wirklich brauchen, rückt vielleicht ein wenig die Perspektive zurecht.

Ach ja, und dann auch etwas tun, das wäre gut

und dafür gibt die Doku jede Menge Inspirationen.

Viel Spaß beim Schauen, bin gespannt, wie ihr sie findet.

Liebe Grüße,

Birgit

PS Noch viele weitere Videos zum Thema Wachstumsskepsis findet ihr bei Arte noch hier.
PPS bei Rebelle Upcycling hab ich gesehen, dass heute der „Tag für eine bessere Welt“ ist. Ein schöner Tag um anzufangen, die Welt ein klein bisschen besser zu machen.

10 Comments

  • Reply Nanne 09/07/2014 at 13:40

    Liebe Birgit,
    ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich mich freuen soll, dass wir kein Gemüse im Garten anbauen dürfen (Wir sind in einer speziellen Gartenanlage) oder ob es gut ist. Es schützt mich halt auch davor, mir zu viel aufzuhalsen.

    Die Reportage werde ich mir vielleicht angucken. Ich gucke kaum fern und 85 Minuten sind mir womöglich zu lang. Aber danke für den Tipp: Den Start finde ich schon mal gut!
    lg Nanne

    • Reply Fräulein im Glück 09/12/2014 at 20:20

      Liebe Nanne,
      ja das mit dem zu viel aufhalsen ist so eine Sache. Ist bei mir eh auch so. Auf der anderen Seite, finde ich vielleicht irgendwann eine Lebensweise, wo der Garten einen „entspannten“ fixplatz hat.

      Liebe Grüße,
      Birgit

  • Reply Maria 09/07/2014 at 13:48

    Ich finde ja, dass wir die Demut vor der Natur verloren haben, da wir alles im Geschäft kaufen können. Es ist so selbstverständlich geworden, die wenigsten denken darüber nach, woher es kommt.

    Wenn man die Früchte und das Obst selber zieht und erntet, dann ist man dankbar für das, was man von der Natur geschenkt bekommt. Es ist eine ganz besondere Wertschätzung da, die man auch mit der Mahlzeit mitisst.

    lg
    Maria

    • Reply Fräulein im Glück 09/12/2014 at 20:22

      Liebe Maria,

      das hast du sehr schön gesagt! Demut und Wertschätzung sind die richtigen Worte!

      Liebe Grüße.

      Birgit

  • Reply Katharina 09/07/2014 at 22:00

    Da hab ich gleich noch einen Filmtipp: Stille. Das ist eine ganz langsame Doku über eine junge Frau, die als Sennerin auf die Alm geht und die danach versucht den Hof ihrer Eltern zu übernehmen.
    Sie muss dann die Kühe aufgeben, weil die Milch von 20 Kühen keine Familie mehr ernähren. Ihr Weinen hat mich so gerührt, beschämt und wütend auf unsere Gesellschaft gemacht.

    GLG Katharina

    • Reply Fräulein im Glück 09/12/2014 at 20:24

      Liebe Katharina,

      vielen lieben Dank für diesen tollen Tipp. Ich hab mir den Trailer gesehen und werde mir den Film auf jeden Fall anschauen!

      Liebe Grüße,
      Birgit

  • Reply Leni 09/08/2014 at 08:05

    Danke für den Doku-Tipp!
    Wir haben jetzt das erste Jahr unser Gemüse selber angebaut. Es hat mir und meinen Kindern so viele Freude gemacht, uns zum Wundern und Staunen gebracht und uns natürlich auch ärgern lassen, wenn die Schnecken schneller waren. Aber vor allem hat es uns die Wertschätzung unseres Essens und Geduld bei gebracht.
    Liebe Grüße
    Leni

    • Reply Fräulein im Glück 09/12/2014 at 20:29

      Liebe Leni,

      ich schau bei dir eh manchmal rein und muss sagen, für das erste Jahr Respekt! Tolle Ernte, da frisst mich der Neid. Aber so schnell geb ich auch nicht auf 🙂 Das hat es mich auf jeden Fall auch gelehrt.

      Liebe Grüße,
      Birgit

  • Reply Tanja Heller 09/08/2014 at 19:29

    Hallo Fräulein im Glück,

    einerseits fühle ich mich von der Natur entfernt, hab gar kein Fachwissen, wie man Gemüse anbaut, schaue auch schon mal auf You tube Videos dazu. Andererseits finde ich das auch zu zeitaufwendig. Ich werde immer ungeduldiger, je mehr ich mich mit Minimalismus beschäftige. Schnelles Ergebnis. Keine Arbeit. Wenn ich meine Sachen kaufe, reicht mir das. Für die Kinder ist es bestimmt toll. Meine Tochter wollte neulich von sich aus frische Bohnen kaufen und fragte in 4 Läden in der Stadt. Gab es nicht. Die Mühe des Schälens macht sich keiner mehr. Dann hat sie einen Blumenkohl gekocht. Also, ich bewundere deine Gartenarbeit. Und kenne die Plastikgedanken, die du schilderst. Toll finde ich das auch nicht.

    Liebe Grüße – Tanja

    • Reply Fräulein im Glück 09/12/2014 at 20:49

      Liebe Tanja,
      zum einen hast du recht. Ich strudle mich auch so oft ab, dass ich mir eben denke. Warum mit Gartenarbeit, alles frisch, nur noch Qualität alles noch komplizierter machen. Aber zum anderen ist Minimalismus für mich eben an erster Stelle die Reduktion aufs Wesentliche und für mich gehört „echtes“ Essen da ganz vorn mit dazu. Eine richtige Lösung wie das alles zusammen passt hab ich leider für mich auch noch nicht gefunden. Ich suche noch

      Liebe Grüße,

      Birgit

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