Familie

Mütter brauchen Hilfe

07/11/2014
National Library of Ireland, NLI Ref.: P_WP_4002

National Library of Ireland, NLI Ref.: P_WP_4002

Kinder haben ist wunderschön. Wenn ich meine zwei Glückskinder sehe, wie sie lachen, spielen, sich jeden Tag weiterentwickeln, dann bin ich der glücklichste Mensch auf Erden.

Aber kleine Kinder sind auch sehr anstrengend. Muttersein kann sehr belastend, nervenaufreibend und frustrieren sein. Als Mutter (kleiner Kinder) stoße ich regelmäßig an meine Grenzen, viel häufiger als in meinem früheren Leben (Prä-Kind-Ära).

Dann könnte ich eigentlich Hilfe gut gebrauchen, doch dann schalten sich zahlreiche „abers“ ein: „aber die anderen haben ja ihr eigenes Leben und genug zu tun“, „natürlich kann ich es ganz alleine schaffen“, „die anderen schaffen es ja auch“, „wie war das noch mal mit Kind, Karriere, Hobbys, alles unter einem Hut?“ usw.

Dabei sollten wir das Leben mit Kind gar nicht ganz alleine schaffen müssen, unsere Gesellschaftsstrukturen haben sich nur so verändert, dass jetzt Einzelpersonen große Lasten tragen, die in anderen Zeiten durch mehrere geteilt wurden.

Noch vor wenigen Generationen waren Familien „in Lebensgemeinschaften aus Verwandten und Nachbarn eingebettet, die ihnen ein Netz gegenseitiger Unterstützung, aber auch gegenseitiger Abhängigkeit und hoher sozialer Kontrolle bescherten […] Die materielle Armut und die soziale Not waren groß, aber die Form des Zusammenlebens war weitaus beziehungsintensiver.“ (aus Remo Largo, Monika Czernin, Glückliche Scheidungskinder)

Wen wundert es, dass Eltern oft überfordert sind?

Jetzt leben wir in isolierten Kleinfamilien, der Arbeitsplatz nicht mehr kinderkompatibel und meistens weit entfernt vom Wohnort, kann gut sein, dass die Großeltern noch arbeiten, der gesellschaftliche Leistungsdruck wird auch immer höher. Wer so wie ich in der Stadt wohnt und überhaupt weiß, wie die Nachbarn heißen, zählt schon zu den Exoten.

Umso wichtiger ist es, sich einzugestehen, dass es ursprünglich nicht so gedacht war, Familie, Nahrungsbeschaffung (Beruf) und einfach alles alleine zu managen. Die Evolution hat sich das wahrscheinlich anders vorgestellt.

Jetzt kann ich zwar an diesem altbekannten Dilemma nichts ändern, aber ich kann Verantwortung übernehmen, und zwar für mich und muss mich dabei immer an ein paar Dinge erinnern:

Hilfe annehmen! (Ist kein Zeichen von Schwäche oder Unfähigkeit)

Nach Hilfe fragen! Man kann ja auch wieder was zurückgeben.

Hilfe kaufen. Im Notfall, einmal einen Urlaub streichen, dafür einen Babysitter engagieren.

Man muss und kann nicht alles alleine schaffen, zumindest nicht ohne Gesundheit und Nerven zu belasten

Dass alles problemlos abläuft, ist nicht der Normalzustand

Ich muss nicht alles auf einmal machen, denn es kommen auch wieder andere Zeiten (in 100 Jahren, wenn die Kinder groß sind)

Wenn andere Leute sagen, ist alles kein Problem, ist es (wahrscheinlich) eine Lüge.

Kindersharing. Irgendwo da draußen gibt es sicher Mütter, die gerne mal die Kinder übernehmen und im Gegenzug dafür auch mal einen Tag freihaben wollen.

Hilfe anbieten. Ist man aus dem Gröbsten raus, anderen „Bedürftigen“ Hilfe anbieten

und zum Abschluss:

Es ist auch okay, sich einmal zu entspannen und auf dem Sofa auszuruhen. Einfach weniger machen (muss ich mir gaaanz dick unterstreichen) und schon gar nicht ganz alleine.

So jetzt werde ich diese Liste an den Kühlschrank pinnen und mich täglich selbst daran erinnern.

Alles Liebe,

das Fräulein

PS Habt ihr noch Tipps für überforderte Eltern?

PPS In letzter Zeit habe ich einige Artikel gelesen, die ich sehr interessant und nützlich fand und die alle irgendwie mit dem Thema Überforderung zu tun hatten:

Tipps gegen das elterliche Schreien  

War es wirklich solo schlimm? Erkenntnisse der Woche 

Best Kept Secret For Postpartum Depression? Help At Home

New Mamas need some help

 

 

 

10 Comments

  • Reply Nanne 07/11/2014 at 12:50

    Liebes Fräulein,
    bei dem Satz „denn es kommen auch wieder andere Zeiten (in 100 Jahren, wenn die Kinder groß sind)“ musste ich gerade grinsen. Meine Kollegin (zwei Kinder im Alter von ca. 22 -26) meinte heute, dass der Satz „Kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen“ stimmt.
    Wobei die erste Zeit mit Kleinkindern auch von ihr als die Anstrengendste bezeichnet wurde.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Nanne

    • Reply Fräulein im Glück 07/12/2014 at 21:13

      Oh liebe Nanne, das gibt mir aber nicht viel Hoffnung 😉
      Wünsche dir auch ein schönes Wochenende!

  • Reply Mirjam Wicki 07/11/2014 at 13:46

    JA, JA, JA!!! Ich finde, das hast du wunderschön geschrieben, liebes Fräulein. Danke. Besonders gut gefällt mir: „Dass alles problemlos abläuft, ist nicht der Normalzustand“. Werde ich mir merken! In der Schweiz gibt es übrigens den Elternnotruf, bei dem man sich während 24h am Tag melden kann, wenn man als Eltern an den Anschlag kommt: 062 835 45 50.
    lg, Mirjam

    • Reply Fräulein im Glück 07/12/2014 at 21:14

      Danke Mirijam,

      für den Hinweis, muss gleich schauen, ob es das in Österreich auch gibt. Vielleicht ist das ja Stoff für einen neuen Blogbeitrag 🙂

      Liebe Grüße aus Wien!

  • Reply Frieda 07/12/2014 at 05:17

    Liebes Fräulein im Glück,

    ein sehr schöner Beitrag!
    Genau das ist ein großes Problem, die Mobiliät führt dazu, dass Familien weit verstreut sind. Mir fehlt meine Familie, besonders meine Mutter, auch sehr. Wie schön wäre es manchmal, nur durch ihre Anwesenheit schon unterstützt zu sein.

    In der ersten Zeit nach des kleinen Herzbuben Geburt, habe ich mir Hilfe bei „wellcome“ geholt – ich kann es jedem empfehlen. Das war wirklich klasse.

    Ich versuche, Zeitfresser zu minimieren. Dinge, die nicht unbedingt notwendig sind, fallen weg, damit ich Zeit für wirklich dringende Sachen habe, die gemacht werden müssen oder um einfach mal aufzutanken. Zeitfresser sind für mich Fernsehen (naja, außer WM und Tatort), bügeln (ich habe einen Trockner und meine Büro-Outfits lassen es zu, nicht gebügelt zu sein).
    Ich habe mir Hilfe im Haushalt geholt, einmal die Woche für das Nötigste, Bäder putzen lassen, saugen, wischen. Damit ist mir schon total geholfen, es entlastet mich psychisch und am Putztag nach Hause zu kommen, ist großartig.
    Ich habe meine Arbeitsstunden wieder etwas reduziert, ein paar Stunden weniger bringen schon enorm viel Zugewinn.
    Hilfe bei Freunden ist gerade etwas schwierig, es haben alle Kleinkinder, selten nur Oma und Opa vor Ort und eine ähnliche Belastungssituation.
    Du kannst dir aber sicher sein, dass ganz viele Mütter in ähnlichen Belastungssituationen sind.

    Viel Kraft, Spaß und Kinder-Glücksmomente,
    Frieda

    • Reply Fräulein im Glück 07/12/2014 at 21:16

      Liebe Frieda,

      mit den Zeitfressern hast du recht, ich versuche die auch zu minimieren, aber irgendwie schaff ich es nie und ja, eine Hilfe für den Haushalt wäre fein, so Dinge wie Fensterputzen oder so, das gibts derzeit gar nicht (dafür blogge ich lieber ;-))

      Danke für die lieben Wünsche!

      Alles Liebe,
      das Fräulein

      • Reply Frieda 07/13/2014 at 14:19

        Da hast du eindeutig die Prioritäten richtig gesetzt, dein Blog wird immer besser.
        Fensterputzen … hihihi. Kaum geputzt, schon sind wunderschöne Sonnencreme-Händchen auf der Terrassentür, oder jemand hat freundlich den Gartenschlauch wirbeln lassen.
        Ich liebe geputzte Fenster, aber ich kann über ungeputzte sehr gut hinweg gucken.
        Liebe Grüße aus Hamburg mit Aprilwetter

        • Reply Fräulein im Glück 07/22/2014 at 08:13

          Liebe Frieda,
          das ist so ein schönes Kompliment, hat mich sehr gefreut, vielen Dank! Übrigens sind die Fenster immer noch schmutzig 🙂

  • Reply Maria 07/15/2014 at 19:54

    Meine größte Hilfe waren die Mütter der Freunde meiner Kinder.

    Hilfe beim zur/von Veranstaltungen bringen/abholen, wechselseitiges Übernachten und vieles mehr.

    Vor allem wechselseitiges Übernachten war super, da hatte ich dann ab und zu auch einen Abend für mich.

    Die Freundschaften der Kinder sind teilweise auseinander gegangen, meine Freundschaft zu den Müttern nicht!

    lg
    Maria

    • Reply Fräulein im Glück 07/22/2014 at 08:14

      Liebe Maria,
      ja, andere Mütter sind super wichtig, leider sind meine noch ein bisschen zu klein um woanders zu übernachten, aber darauf freu ich mich schon!!

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