Familie und Kind Weniger ist mehr

Medien im Kinderalltag

11/02/2014

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Wir haben keinen Fernseher. Aber ein Ipad und es ist für die Familie ein Segen. Zum Beispiel dann, wenn ich jedes zweite Wochenende alleine mit beiden Kindern zu Hause bin und ich abends kurz Ruhe reinbringen muss, bevor alle wahnsinnig werden. Dann liebe ich es. So richtig.

Was man liebt, mag man nicht mehr hergeben. Ich genieße gerne die Vorteile der digitalisierten Welt, ich kann zu Hause arbeiten und muss mir keine Mühe machen, Informationen zu suchen, sie erreichen mich von ganz alleine.

Die Schattenseite ist (und das ist für mich als Achtsamkeitswillige richtig schwer einzugestehen): Ich bin so richtig abhängig. Ein echter Techkram-Junkie.

Hallo. Ich bin die Birgit und habe ein Internetproblem.

Hallo Birgit.

Viele Regeln, die ich für mich im Umgang mit Medien aufgestellt habe (zum Beispiel nur ins Handy schauen, wenn die Kinder nicht da sind), kann ich oft nicht einhalten.

Eltern wirklich ein gutes Vorbild?

Oft stelle ich mir die Frage: Wie können wir als Eltern ein gutes Vorbild sein, wenn es oft selbst schwerfällt, einen maßvollen Umgang mit den Medien zu finden?

Neulich beim Hundespaziergang habe ich ein Foto geknipst und bis ich es für Instagram bearbeitet hatte, war der Spaziergang schon vorbei. War übrigens ein sonniger Herbsttag. Wenigstens erinnert mich das Foto daran, auch wenn ich sonst nicht viel mitgenommen habe.

Will ich das wirklich für meine Kinder?

Im Gegensatz zu mir genießen meine Kinder derzeit noch jeden Spaziergang so richtig. Hier ein Blümchen dort ein Ästchen. Da wird kein Gedanke an Twitter, Facebook oder WordPress-Statistiken verschwendet.

Ich wünsche mir, dass das noch länger so bleibt. Einfach mit der realen Welt zufrieden sein, so wie sie ist.

Was die Medien wirklich mit uns machen, weiß keiner, wir sind Teil eines großen Experiments. Ob die Vorteile oder die Nachteile überwiegen, darüber kann man sich wahrscheinlich lange streiten.

Aber Medienkonsum macht was mit uns und unseren Kindern

Psychologe Larry Rosen gibt in einem Video einen kurzen Überblick über derzeitige Studien genau zu diesem Thema:

Nicht ganz überraschend checken zum Beispiel 67% der (amerikanischen) Jugendlichen und jungen Erwachsenen ihre Nachrichten am Handy alle 15 Minuten oder weniger, einfach so, ohne eine Benachrichtigung bekommen zu haben. Wird nicht nur in Amerika gelten, da kann ich ja selbst fast schon mithalten.

Ein Teil der Jugendlichen wird richtig unruhig, wenn sie ihr Handy nicht checken können. (auch das ist mir schon passiert)

Wer viel Techkram nützt. Ist leichter abgelenkt und wer leichter abgelenkt ist, dessen Gehirn hat einfach mehr zu tun, muss mehr denken, meistens übrigens etwas zum Thema Technologien. Das Gehirn ist viel aktiver, manchmal auch viel zu aktiv.

Wenig überraschend: Wer sich weniger konzentrieren kann, der ist auch schlechter in der Schule usw.

Medien „gesund“ in den Kinderalltag integrieren

Trotzdem muss es einen Weg geben, Medien in unseren Alltag zu integrieren und in den unserer Kinder. Ich meine wer möchte die guten Seiten schon missen? Und es ist nun mal so, wie es ist.

Rosen gibt drei Ideen dazu mit und da ist ganz viel Achtsamkeit im Spiel:

  • Wir müssen uns der Ablenkungen bewusst werden. Weg mit dem Handy, wenn es stört. Email abschalten, wenn wir uns nicht konzentrieren können.
  • Reset the brain“. Bei „digitaler Überlastung“ einfach abschalten. Raus in die Natur, Musik machen, lachen, ein Bad nehmen, alles ist gut, wenn wir uns wieder spüren können.
  • Lernen wir uns wieder zu konzentrieren, 15 – 30 Minuten am Stück sollten wir wieder schaffen und da hilft wohl nur üben, üben, üben.

Das ist dann gleich was, was wir unseren Kindern vorleben können.

Vielleicht gelingt dann ein „vernünftiger“ Umgang mit den Medien, nicht nur den Kindern, sondern auch uns.

Übrigens dieser Artikel ist mein Beitrag zur Blogparade von BerlinMitteMom und Scoyo (zu dem Thema gibt es von Scoyo einen „Elternabend“ ).

Seid ihr gute „Vorbilder“? Wie steht es mit eurer Mediennutzung? Was hilft euch gegen Mediensucht? Bin auf eure Erfahrungen sehr gespannt.

Alles liebe,

Birgit

PS und hier noch das Video von Prof. Rosen:

4 Comments

  • Reply Melanie 11/02/2014 at 20:30

    Das ist gerade auch voll mein Thema. Ich bin hauptsächlich zu Hause viel zu viel am Computer.
    Unterwegs habe ich mir angewöhnt, am Telefon nur noch im Notfall online zu gehen für Fahrplan Auskunft und solche Dinge.
    Instagram benutze ich nur noch für das Promoten meiner Blog Beiträge, es ist mir einfach zu aufwändig dort ständig etwas herein zu stellen.
    Ich werde im Dezember versuchsweise meinen Internet Konsum drastisch reduzieren. Hauptsächlich Facebook und Instagram, mich aber auch im Lesen von Blogs limitieren, weil ich mich manchmal echt verliere im www.
    Dabei geht es mir auch um das Vorleben für meine Tochter. Sie bekommt das jetzt immer mehr mit und wenn ich es jetzt nicht ändere, dann bin ich ihr wirklich ein schlechtes Vorbild. Und hey, bis vor 7 Jahren hatte ich keinen eigenen Internet Anschluss und musste jeweils in der Bibliothek kurz online gehen. Und das ging problemlos, mir hat ganz und gar nichts gefehlt!

    • Reply Fräulein im Glück 11/09/2014 at 19:58

      Liebe Melanie,

      ich glaube das Thema beschäftigt gerade auch Mütter von kleineren Kindern besonders, vielleicht weil es manchmal der einzige Draht zur Außenwelt ist. Ich frag mich auch manchmal, wie ich das früher gemacht habe. Die guten alten Festnetztelefonzeiten 😉
      lg Birgit

  • Reply Frau Laubenpieper 11/03/2014 at 07:50

    Genau mein Thema! Seit einiger Zeit, aktuell und bestimmt auch noch in Zukunft. Einen richtigen Weg habe ich für mich noch nicht gefunden.

    Meine Große ist nun 3,5 Jahre alt und schon sichtlich genervt, wenn ich am Smartphone hänge. Wenn ich am Notebook bin, will sie ebenfalls etwas daran machen – Schlümpfe gucken z.B.
    Und ich kann es so gut verstehen! Warum verbiete ich ihr etwas, was ich mir selbst immer erlaube? Das ist doch unfair.

    iPad … Ja, so etwas hatten wir auch mal. Ich habe es kaum genutzt, mein Mann noch weniger. Und wer irgendwann ständig daran sitzen wollte, war unsere Tochter. Ich habe es daraufhin verkauft und wir vermissen es kein Stück.

    TV gibt es hier, aber es gilt die Regel, dass nur an 3 Tagen der Woche etwa 30-40 Minuten etwas geschaut werden darf. Das halten wir, bis auf wenige Ausnahmen, auch gut ein. Liegt aber auch mitunter daran, dass wir Erwachsenen selbst sehr selten vor dem TV sitzen. Wenn, dann eher mal abends, wenn die Kinder im Bett sind.

    Tja, das Internet … Gerade das mobile …
    Natürlich mache ich gerne Fotos unterwegs und poste auch mal etwas auf Facebook. Aber das nervt die Große, wie gesagt, zusehends.

    Darum überlege ich, mir für unterwegs ein „Einsteigerhandy“ zu kaufen, mit dem ich nur telefonieren und SMS versenden kann. So habe ich für den Notfall ein Telefon dabei und kann z.B. auch unterwegs erreicht werden, wenn es dringend ist. (ja, ich weiß, dass man früher ganz ohne Mobiltelefon zurechtgekommen ist …)
    Ob als Zweitkarte der aktuellen Nummer, die allerdings auch viele Leute haben, oder mit einer Prepaid-Karte inkl. neuer Nummer, das weiß ich noch nicht.
    Und Fotos? Die kann ich mit einer Kamera schießen.
    Und Facebook? Das muss warten, bis ich zu Hause bin.

    So ganz ausgereift ist die Idee noch nicht und mein Mann hält das auch eher für verrückt 😉 , aber ich habe da richtig Lust zu.

    Ich habe auch schon mit dem Gedanken gespielt, mein Smartphone gänzlich zu veräußern und mir von dem Geld eben ein Einsteigerhandy und eine bessere Kamera zu kaufen. Meine alte gibt so langsam den Geist auf.
    Da höre ich jedoch wieder die Leute schreien, dass man dem Kind doch beibringen muss, dass es so etwas gibt, und selbst am Ball bleiben muss. Kann ich ja – mein Mann wird da ganz sicher nicht mitziehen und beim mobilen Internet bleiben. Sprich: Wir sind nach wie vor „up to date“ und können dahingehen mitreden. (das muss ich allein aus Berufsgründen schon können)

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ja, das Thema ist für mich aktuell. Ich habe einige Ideen im Kopf, weiß aber noch nicht, in welche Richtung es gehen wird.

    Was ich mir übrigens gönne: Urlaub ohne Smartphone. Ich bin zwar, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, über das meines Mannes hier und da mal online gewesen, aber ich selbst war nicht erreichbar, und das tat gut.

    • Reply Fräulein im Glück 11/09/2014 at 20:00

      Ich finde deine Ideen sehr spannend. Ich habe auch schon darüber nachgedacht mir einfach ein gebrauchtes Handy zuzulegen und das Smartphone wegzugeben, dann sind ein paar Versuchungen weniger. Und mir geht es so wie dir, ich habe viele Überlegungen dazu nur beim umsetzen bin ich noch nicht wirklich weiter. Liebe Grüße,Birgit

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