Minimalismus Weniger ist mehr

Teenagerkonsum: Wünsche ernst nehmen, Gewünschtes vorleben {Interview mit Wer ist eigentlich dran mit Katzenklo?}

04/17/2014
(c)Wer ist eigentlich dran mit Katzenklo?

(c)Wer ist eigentlich dran mit Katzenklo?

Ich möchte gerne mehr von Weniger. Meine Kinder vielleicht nicht. Mit kleinen Kindern ist das noch nicht wirklich ein Problem, da gibt’s viele Möglichkeiten. Aber bei Größeren? Schließlich sehen sie es bei anderen anders.

Ich habe Elterncoach Uta von „Wer ist eigentlich dran mit Katzenklo?“ dazu befragt.

Liebe Uta, für Kleinkinder ist weniger auf jeden Fall mehr, sogar für die Entwicklung wichtig. Wie sieht es mit größeren Kindern oder Jugendlichen aus? Wie viel (Spiel-)Zeug/Aktivitäten brauchen sie? Gibt es aus deiner Sicht Vorteile, wenn sie nicht von allem, alles haben?

Natürlich sollten auch größere Kinder und Jugendliche nicht von allem alles haben. Mir ist aber wichtig, dass Eltern das unverkrampft sehen und nicht die moralische Keule auspacken. („Es gibt Kinder, die haben nicht einmal was zu essen, und du willst einen iPod haben.“) Wenn ein Kind einen Wunsch äußert, sollte es damit ernst genommen und nicht abgewertet werden. „Ich verstehe jetzt, warum du dir das so dringend wünscht.“ Wenn man den Wunsch nicht erfüllen kann oder will, kann man das dann im zweiten Schritt begründen: „… ich habe Sorge, dass dich das vom konzentrierten Arbeiten ablenkt …“ – „ich befürchte, dass du dann keine Zeit mehr für deinen Sport hast“ – „du weißt, dass es solche große Geschenke bei uns nicht außer der Reihe gibt, das wäre unfair gegenüber deinem Bruder, vielleicht kannst du es dir zum Geburtstag wünschen“ ….

Wie viele Aktivitäten Jugendliche brauchen, entscheiden sie selbst. Da hat man als Eltern wenig Einfluss. Da ist es gut, wenn sie als Kleinkinder gelernt haben, sich mit wenig selbst zu beschäftigen. Bei uns zu Hause gibt es ein paar wenige Regeln, was das Smartphone (wichtigstes „Spielzeug“ im Alter meiner Kinder) angeht. Unsere Tochter (13) hat noch keins und mit unserem Sohn haben wir vereinbart, dass er es im Urlaub tageweise ganz weglegt. Beim gemeinsamen Essen ist es sowieso tabu.

Der goldene Mittelweg: was lebe ich meinen Kindern vor

Ich für meinen Teil möchte nicht mehr in die Steinzeit zurück, ich finde gut, was mein Handy kann, ich bin froh, wenn ich im Supermarkt auswählen kann. Trotzdem gibt es einen Unterschied zwischen genug und zu viel. Außerdem macht es ganz schön Druck: Was man alles haben sollte, was man alles machen sollte und die Kinder erst, was die alles müssen. Wie schaffe ich es, einen goldenen Mittelweg für mich und meine Kinder zu finden?

Die Lebensfreude weist den Weg. Wenn die Kinder erleben, dass Mama sich wie Bolle über den neuen Korb freut, den sie am Wochenende auf dem Markt erstanden hat, und damit durch die Wohnung hüpft, bis dem Brokkoli darin ganz schlecht wird, aber auch erleben, dass Mama mit wenig auskommen kann und Shopping nicht als Ersatzbefriedung braucht, ist das ein wichtiges Muster, das sie erfahren. Sie setzen es vielleicht nicht gleich um, aber es wirkt sicher nach.

Leben ist Fülle, sich freuen an Schönem. Kinder haben eine Antenne dafür, ob ihre Eltern echte Lebensfreude spüren und beides können: ohne Konsum zurecht kommen und auch mal auf die Pauke hauen (her mit dem Champagner!). Das ist das, was ich meinen Kindern vermitteln will. Nichts regelhaft Starres, sondern überall das Echte suchen. Schönheit findet sich genauso in dem sündhaften teuren Design-Entwurf wie in dem Stein am Wegesrand. Ich möchte, dass sie beides können: mal verzichten und mal großzügig mit sich selber und anderen gegenüber sein.

Und zu Hause brauche ich Klarheit und Ordnung. Deshalb wird regelmäßig ausgemistet.

Wie gehe ich damit um, wenn Kinder immer das haben wollen, was die anderen haben? Sind Konflikte vorprogrammiert?

Da kommt wieder das Ernstnehmen ihrer Wünsche ins Spiel. Ich hatte schon häufig die Situation, dass meine Kinder nach einem solchen Gespräch (ohne Abwertung des Wunsches) gesagt haben: „Weißt du, Mama, eigentlich ist mir das jetzt auch gar nicht mehr so wichtig.“

Und es ist – wie du schon sagst – der „goldene Mittelweg“. Sie sollten auch mal haben dürfen, was die anderen haben, aber natürlich nicht immer. Jede Verbissenheit oder Gedankenlosigkeit in die eine oder andere Richtung, die ich erlebt habe, hat niemandem gut getan.

Ich finde es unfair, Kindern zu unterstellen, sie wollten immer nur, was die anderen Kinder haben. Folgen wir Erwachsenen denn keinen Trends? Lässt es uns unberührt, wenn die Freundin so einen tollen Gürtel trägt oder den ultimativen Schnellkomposter entdeckt hat?

Hast du für mich einen Tipp, wie ich dazu beitragen kann, dass aus meinen Kindern einmal glückliche und vor allem zufriedene Erwachsene werden?

Selber glücklich sein.

Glücklich (1 von 1)klein

Uta lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern und zwei Katzen in Hamburg. Schreiben und Familien-Coaching sind ihre großen Leidenschaften. In ihrem Blog „Wer ist eigentlich dran mit Katzenklo?“ greift sie Erkenntnisse aus Erziehungsratgebern auf und berichtet, ob sie in ihrer Familie funktionieren.

Apropos glücklich: Wer glücklich ist, kauft nicht.

 

Der Vortrag von Gerald Hüther ist nicht mehr neu, gibt aber Einblicke, wie man Kinder zu glücklicheren Erwachsenen machen kann und zwar ohne viel Zeug.

Alles Liebe

das Fräulein

 

8 Comments

  • Reply Weniger ist mehr mit Teenagern | MinimalismusFamilie 04/17/2014 at 19:53

    […] Dann husch, rüber zum Beitrag. […]

  • Reply Maria 04/18/2014 at 05:57

    Hallo!

    Dass Kinder immer alles und das sofort haben wollen habe ich leider auch so erlebt. Ihnen anderes vorzuleben hat scheinbar eher das Gegenteil bewirkt wie mir irgendwann einmal meine Tochter (inzwischen erwachsen) gesagt hat.

    So wie Du will ich nicht leben. Sie verbindet mit meiner Art des Minimalismus Verzicht und Entsagen. Der Einfluss der Gleichaltrigen ist scheinbar deutlich größer wie auch der Wunsch dazu zu gehören.

    lg
    Maria

    • Reply Fräulein im Glück 04/22/2014 at 21:35

      Liebe Maria,
      heute hab ich zum ersten Mal meinen Spam-Ordner entdeckt und da war leider dein Kommentar drinnen. Aber jetzt hab ich ihn gefunden.

      Und ja ich frag mich das auch oft, was das mit meinen Kindern in Zukunft machen wird. Ich habe einen Freund dessen Eltern waren die kompletten „Hippies“ (jetzt wird’s wieder modern ;-)), in den 90ern hat er total dagegen rebelliert, aber jetzt sagt er, dass er jetzt auch Einiges davon übernommen hat.

  • Reply Karin 04/19/2014 at 18:13

    Hallo 🙂
    Über Utas Blog bin ich hier gelandet und habe begeistert deine Seite gelesen. Gerne hätte ich mir den Video-Clip von Gerald Hüther angesehen, aber das klappt bei mir nicht. Wo sonst könnte ich ihn mir ansehen? Herzlichen Dank im voraus für eine Antwort und noch schöne Ostern! Viele Grüße, Karin

  • Reply Die Sonntagsleserin KW 15 | widerstandistzweckmaessig 04/20/2014 at 06:01

    […] Fräulein im Glück Teenagerkonsum: Wünsche ernst nehmen, Gewünschtes vorleben […]

  • Reply Die Sonntagsleserin KW 16 | widerstandistzweckmaessig 04/20/2014 at 06:07

    […] Fräulein im Glück Teenagerkonsum: Wünsche ernst nehmen, Gewünschtes vorleben […]

  • Reply Wieviel Taschengeld für Kinder? 5 Tipps für einen guten Umgang von Anfang an - Geborgen Wachsen 05/18/2017 at 19:15

    […] Es ist oft nicht einfach in unserer Gesellschaft, Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld und Ressourcen beizubringen. Und auch ich hörte schon von meinem Kind: „Meine Federtasche ist verschwunden, wir müssen eine neue kaufen.“ oder „Meine Hose ist kaputt, bestell mir bitte eine neue.“ Im Sinne einer ressourcensparenden Lebensweise ist es wichtig, Kindern auch Alternativen aufzuzeigen: Dinge können gebraucht gekauft werden, Sachen können repariert, Löcher in Kleidung gestopft oder mit Flicken versehen werden. Dabei geht es nicht nur darum, ob man sich ein ganz neues Teil leisten kann oder nicht, sondern es geht um die Vermittlung eines achtsamen Umgangs mit Ressourcen. Es gibt einige Wege, die man gehen kann, bevor Dinge neu gekauft werden. Gerade in unserer Gesellschaft ist das gut möglich. Andrea beschreibt beispielsweise hier, dass sie zukünftig auf den Kauf neuer Kleidung verzichten möchte für ihre Familie. Und bei Birgit findet sich ein schönes Interview zum Thema Konsum von Teenagern und die Vorbildfunktion von Eltern. […]

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