Achtsamkeit Familie

„Heul doch nicht“ – Warum es so wichtig ist, dass Buben Gefühle zeigen dürfen

10/10/2016

"Heul doch nicht" Warum es so wichtig ist, dass Buben Gefühle zeigen dürfen - Jungen erziehen, liebevoll begleiten - Fräulein im Glück der nachhaltige Mamablog

Am liebsten möchte ich Donald Trumps Mutter anrufen und sie fragen, was um Gotteshimmelswillen in seiner Kindheit vorgefallen ist, dass er so über Frauen spricht (also abgesehen von dem ganzen Wahnsinn, den er sonst noch macht). Schon im Wahlkampf ist ja dieses Video aufgetaucht, indem er sich mit unglaublichen Ausdrücken herablassend über eine Frau, ja über die Frauen allgemein auslässt und nicht nur das, er geht noch viel weiter, er beschreibt schon, wie er diese Frau sexuell nötigen will.*

Umso entsetzter war ich, als Trump Präsident wurde und noch entsetzter bin ich, dass Trump kein Einzelfall ist, denn

Männer reden so über Frauen, wenn sie unter sich sind.

Männer reden auch so über Frauen, wenn Frauen dabei sind.

Männer reden so über Frauen.

Männer denken so über Frauen.

Und wisst ihr was?

Als Bubenmama ist das für mich eine wirklich ganz ganz bittere Erkenntnis.

Mein erst 3-Jähriger Sohn sagte zu mir neulich: „typisch Mädchen“, er weiß noch nicht einmal, was das heißt, aber er hat es an dem Tag immer wieder wiederholt.

Wann wird er beginnen Dinge zu denken oder zu sagen, die „typisch Mann“ sind?

Darauf hab ich keine Lust.

Ich will nicht, dass meine Kinder über Frauen so reden oder denken. Sicher nicht!

Aber was können wir als Mütter schon tun?

Wie können wir als Mütter, als Eltern ankämpfen gegen eine Kultur, die unseren kleinen Söhnen täglich in der Werbung, in Serien und beim Spielzeug vorzeigt, was „typisch Mann“ zu sein hat und dass Dominanz und Aggressivität Wege zum (männlichen) Erfolg sind.

Wo Figuren wie Superman und Spiderman, Hulk und Ninjas, später dann Popstars und Sternchen, Sportler und Schauspieler unseren Söhnen zeigen, dass man der stillschweigende „Checker“ sein muss, der seine Gefühle unter Kontrolle hat und mit Stärke, Macht, Überlegenheit und Geld an die Spitze kommt.

Sind das die Vorstellungen, die wir von einem erfolgreichen Leben unserer Söhne haben?

Ist das wirklich erfolgreiche Männlichkeit?

Und dabei möchte ich noch gar nicht daran denken, was erst passieren wird, wenn unsere Söhne im Teenageralter über Pornos ein vollkommen falsches Bild bekommen, wie man mit Frauen Sex hat (nämlich nicht vornehmlich brutal und dominant)

Aber wie können wir das als Eltern etwas tun?

Wie schaffen wir es, ihnen klar zu machen, dass Dinge wie Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein, Konflikte ohne Gewalt zu lösen, die wahren Stärken eines Mannes sind?

Sollen wir unseren Söhnen nur noch Puppen zum Spielen anbieten und alle Serien verbieten?

Nein, das ist wahrscheinlich ein aussichtsloser Kampf, aber ich glaube, es gibt Wege:

  1. Zeigen wir ihnen, dass das „Weibliche“ wertvoll ist.
    Jungs wird in unserer Kultur beigebracht, bewusst oder unbewusst, Frauen nicht als gleichwertig zu sehen, sondern als anders und nicht nur als anders, sondern als Objekt, das sie herabwürdigen müssen, wenn sie ein respektierter Mann sein wollen (siehe Donald Trump). Jedes Mal wenn wir oder andere zu unseren Söhnen sagen „heul doch nicht gleich wie ein Mädchen“, „bist du ein Mann oder ein Mädchen“, „du wirfst ja wie ein Mädchen“ „von Mädchen darf man sich als Bub nichts gefallen lassen“ – sagen wir ihnen, dass das weibliche anders ist und nicht so wertvoll, sie sollen es ja anders, besser machen. 
Hören wir auf das zu tun! Sagen wir anderen, dass sie aufhören sollen, das zu tun! Trauen wir uns „Nein“ zu sagen, zu Dingen, die falsch sind!
  2. Zeigen wir unseren Söhnen, dass Gefühle gut sind und dass sie gut sind, so wie sie sind
    Gefühle und Mitgefühl ordnet unsere Kultur dem „Weiblichen“ zu, wir erziehen es, wieder bewusst oder unbewusst, unseren Jungs ab – wieder Stichwort „heul doch nicht, wie ein Mädchen“. Mein kleiner Sohn ist sehr empfindsam und fängt sehr leicht zu weinen an. Nicht nur einmal habe ich gehört „er hätte ein Mädchen werden sollen“. Und hier können wir wieder etwas tun, zeigen wir unseren Kindern, dass ihre Gefühle in Ordnung sind, sie dürfen sie haben, Gefühle sind gut und zeigen wir ihnen, wie sie damit umgehen können. Damit helfen wir nicht nur unseren Söhnen, sich endlich ganz und akzeptiert zu fühlen, mit allen ihren Eigenschaften, auch den „vermeintlich“ weiblichen, sondern wir helfen auch unseren Töchtern, damit all ihre Eigenschaften (von Männern) endlich als gleichwertig anerkannt werden.
  3. Und zu guter letzt mein Appell an Väter, an Lehrer und alle Männer.
    Wenn Männer so über Frauen reden, wie es Trump getan hat, dann können nur Männer sie stoppen. Unser Einfluss als Mutter ist irgendwann endenwollend, aber Männer können Männer stoppen. Geht mit gutem Beispiel voran und wenn ihr Herabwürdigungen mit an hört, sagt anderen Männern, dass ihr das nicht toleriert und unsere Söhne werden es hören und andere Söhne werden es hören und irgendwann werden wir in einer Welt leben, in der es keine solcher Gespräche mehr geben wird.

Irgendwann.

Und bis dahin hoffen wir, dass nicht noch mehr Männer wie Donald Trump Präsidenten werden.

Alles Liebe,

Birgit

PS abschließend noch ein Doku-Tipp „the Mask you live in“, hier geht’s zum Trailer: klickklack

* „Ich fange einfach an, sie zu küssen. Ich warte nicht einmal. Wenn du ein Star bist, dann lassen sie es zu. Du kannst alles machen. Ihnen an die Muschi fassen. Alles.“ (“I just start kissing them. It’s like a magnet. Just kiss. I don’t even wait. And when you’re a star, they let you do it. You can do anything.“)

Für später pinnen:

"Heul doch nicht" Warum es so wichtig ist, dass Buben Gefühle zeigen dürfen - Jungen erziehen, liebevoll begleiten - Fräulein im Glück der nachhaltige Mamablog

Foto von Unsplash

8 Comments

  • Reply Anne 10/10/2016 at 07:46

    Liebe Birgit,

    Du hast so recht! Es fängt doch schon bei den Klamotten an: mein Sohn liebt Leggings. Aber finde mal Leggings für Jungs in Größe 110. Keine Chance. Deswegen nähe ich ihm welche selber, weil ich möchte, dass er sich selber das aussucht was er anziehen mag.

    Ich glaube du hast einen Punkt vergessen: leben wir ihnen vor, wie Mann und Frau gleichberechtigt miteinander leben können? Wenn die Papas nämlich mit Anfassen, und die Mama ist auch mal arbeiten gehen, dann ist das doch schon gelebte Gleichberechtigung. Wenn unsere Kinder das bei uns sehen, dann ist es für sie wahrscheinlich viel einfacher wahrzunehmen dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind und gleich viel wert sind.

    Ich bin mir sicher: wir Mamas schaffen das nicht solche Idioten heran zu ziehen wie Donald Trump Junior.

    Herzliche Grüße,

    Anne

    • Reply Birgit 10/17/2016 at 20:41

      Liebe anne,

      danke für deine Antwort. Ja die Kleidungsfrage ist auch so eine Sache, Burschen sind zu langweiligen und blödsinnigen spiderman-aufdrucken verdammt. Und danke für Deine Ergänzung, die ist natürlich super richtig und wichtig!

      Liebe GRüße,

      Birgit

  • Reply Martin 10/10/2016 at 08:11

    Liebe Birgit,
    Ich schreibe dir mal ein paar Anmerkungen – alle noch nicht zuende gedacht, aber vielleicht sind sie ja trotzdem hilfreich…

    Ich finde, dass das ein Eltern-Thema ist, kein Mütter-Thema. Das sagst du ja auch. Ich will es an dieser Stelle einfach noch einmal bekräftigen. Deine Überschrift „Bubenmamas aufgepasst“ finde ich daher auch etwas doof. Aber so läuft das Bloggen, das ist mir schon klar. Diese uralte Frage, wie Mütter ihre Söhne erziehen müssten, damit sie bessere Männer werden, löst bei mir immer Bauchschmerzen aus.

    Im letzten Abschnitt deutest du etwas an, das ich noch stärker formulieren würde: Kranke Männlichkeit kann nur von gesunder Männlichkeit geheilt werden. Gesunde Weiblichkeit kann bei kranker Männlichkeit wenig ausrichten (umgekehrt gilt das genauso). Was das konkret heißt? Das ist die Kunst, es herauszufinden & es zu versuchen. Ich stehe da auch eher am Anfang, aber diese Unterscheidung hilft mir zumindest schon mal.

    Ganz wichtig ist, was du zu Gefühlen schreibst. Und die Aufgabe ist erstmal, sich den eigenen Gefühlöen und Bedürfnissen klar zu werden – das klingt so unglaublich banal, aber es ist so schwer! In unserer Familie sind wir gerade durch Rosenbergs „gewaltfreie Kommunikation“ auf den Weg gekommen, uns überhaupt erstmal über Gefühle und Bedürfnisse klar zu werden – die sind nämlich (uns) gar nicht klar. Wir haben das nie gelernt. Und auch Frauen haben das nicht besser gelernt als Männer. Nur dadurch, dass „Gefühle“ in unserer Gesellschaft ständig dem Weiblichen zugeordnet werden, heißt das nicht, dass da automatisch eine Gefühle-und-Bedürfnis-Kompetenz vorliegt. Zurück zur GfK: Wir nützen die überhaupt nicht als Kommunikationstool (das wirkt auf mich immer recht gekünstelt), sondern als Erkundungs-Tool: Was läuft ihr gwerade ab. Und da ist das Gold wert! Wir als Eltern haben dadurch unglaublich viel gelernt, aber wir stehen da echt noch am Anfang. Wie wir das dann für unsere Erziehung nutzen, weiß ich ehrlichwer Weise noch gar nicht. Will sagen: Oft geht mir dieser Schritt „Wie erziehe ich, um… Was muss ich als Jungsmama/papa tun, um…“ viel zu schnell!

    Das Weibliche ist schützenswert – absolut! Aber ist das die richtige Botschaft? Lenkt solch eine Botschaft nicht gerade darauf, Unterschiede zu konstruieren? Das Leben ist schützenswert. Und Männer und Frauen müssen lernen, wie sie das Leben schützen können. Beide geben Leben, auf je ihre Art. Als „Erziehungs“-Ziel heißt das dann für mich: Jungs müssen lernen, wie sie Leben geben und schützen können (vice versa, natürlich). Wie sie etwas „Ins Lebene setzen können“ und ihre wirkmächtige Kraft entdecken können. Das kann Malen oder Singen sein, etwas reparieren und pflegen, bauen, experimentieren, gärtnern… Da kann ich mich als „Verursacher“ im positiven Sinne erleben. Und diese Kraft muss gestärkt, gestärkt und gestärkt werden. Sobald Männer/Jungs erleben, dass sie in ihrer Kraft gebremst werden, werden sie krank. Etwas pathetisch gesagt. Was ich damit sagen will: Ich glaube, es ist unendlich schwer, etwas Krankes (Donaldtrumpsein) zu verhindern, es geht fast nur dadurch, Gesundes zu stärken. (Und dein Blog ist ja voll davon!). Ich glaube, gemeinsam etwas zu reparieren oder zu gärtner hilft mehr, als zu sagen: Schütze das Weibliche!

    • Reply Birgit 10/17/2016 at 20:46

      Lieber Martin,
      danke für deine sehr ausführliche Antwort. Du hast natürlich recht, es sollte natürlich Bubeneltern heißen (wobei meine LeserInnenschaft vornehmlich weiblich ist :-)) und zum Thema schütze das „Weibliche“ damit meine ich, dass was wir als vermeintlich „weiblich“ bewerten, all diese Seiten haben auch Burschen und wir trimmen sie darauf, dass sie sich diese Seiten nicht zugestehen und deswegen sollten wir es für sie wieder wertvoll machen.
      Und Gfk finde ich super spannend, ich habe mir dazu einmal ein Buch ausgeborgt (es aber leider nie zu Ende gelesen) ich finde GfK und Achtsamkeit sagen im Kern das Gleiche. Ich werde mich da sicher noch einmal vertiefen. Vielen Dank für deine interessanten Gedanken!

      Liebe Grüße,
      Birgit

  • Reply Judith 10/10/2016 at 08:32

    Aaaah Birgit, du hast so recht! Mich macht hier die Aussage der Tochter schon irre:“Das ist Buben-/Mädchenspielzeug!“ Warum eigentlich? Weil es ihr jemand gesagt hat, weil es rosa ist, weil wir es vorleben! 😞
    Lg, Judith

    • Reply Birgit 10/17/2016 at 20:48

      Ach du liebe, ja leider, ich hoffe irgendwann kommen wir aus diesem rosa/blau-Sumpf raus…

      Liebe Grüße,
      Birgit

  • Reply Claudia 10/28/2016 at 08:46

    Hallo, ich finde deinen Blogpost sehr wertvoll. Wirklich super ! Als ich gelesen habe dass du Donald Trumps Mutter fragen möchtest… musste ich lachen, weil ich dass auch schon mal gedacht habe 😉

    Viele Grüße
    Claudia

  • Reply Jule 05/03/2017 at 17:35

    Hallo, der Post ist ja schon etwas älter, aber ich bin jetzt erst auf deinen Blog gestoßen. Vielleicht kennst du ja Gerhard Schöne, einen der tollsten deutschsprachigen Liedermacher. Von ihm gibt es viele gute Kinderlieder, die nicht nur oberflächlichen Firlefanz beinhalten und die so gestaltet sind, dass man auch als Erwachsener gern mithört. Viele haben mich schon durch meine Kindheit begleitet („Jule wäscht sich nie“ ;-)). Er hat aber auch viele gesellschaftskritische Lieder für Erwachsene geschrieben. Bei deinem Post fiel mir „Ein Junge weint nicht“ ein: https://www.youtube.com/watch?v=fXOyw1Evyj8

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