Achtsamkeit

Achtsamkeit mit Kindern

06/13/2014

Achtsamkeit Kind (1 von 1)klein

Ich wollte über „Achtsamkeit mit Kindern“ schreiben. Was besonders Kluges versteht sich, aber irgendwie kommt nicht wirklich was über die Tastatur.

Das ist schlecht, dann hab ich wahrscheinlich nicht genug zu sagen, obwohl ich schon so viel über Achtsamkeit gelesen habe.

Lesen ist das eine, umsetzen das andere. Ich steh noch ganz am Anfang.

Ähnlich wie Sonja in ihrer Mind Map zum Thema Achtsamkeit, schreibe ich deshalb meine ungeordneten Gedanken auf:

Was bedeutet für mich ein achtsamer Umgang mit Kindern?

  • Verständnis, Einfühlungsvermögen und ein offenes Herz
  • Nicht urteilen und nicht verurteilen.
  • Jede Situation ist anders, man selbst ist in jeder Situation eine andere oder ein anderer und es sind viele Situationen mit Kind riesen Herausforderungen.
  • Es braucht keine perfekten Eltern, es braucht eine Mutter oder einen Vater, die sehen, was in einem Kind vorgeht (und die sehen, was in ihnen selbst vorgeht)
  • Achtsamkeit ist meine Hoffnung Situationen nicht nur zu „überleben“ (und die Minuten zu zählen, bis die Kids ins Bett gehen), sondern auch eine Idee zu haben, was zu tun ist.
  • Ist es wirklich so? Die Geschichten die unsere Gedanken in unserem Kopf spinnen ein wenig hinterfragen.
  • Die Welt auch aus der Sicht eines Kindes zu sehen und es dadurch vielleicht besser zu verstehen.
  • „Zuwenden, berühren, in Worte fassen, sein lassen“ *
  • Achtsamkeit ist ein Prozess, der wahrscheinlich nie endet

Prozess heißt: Manchmal klappt es, manchmal nicht

Dazu eine kleine (Erfolgs-)Geschichte aus dem Hause Glück:

Die Kinder waren ja sehr viel krank in letzter Zeit. Da merk ich dann auch, wie sehr ich am Limit bin und wir uns schon alle gegenseitig nerven.

In dieser heißen Phase kam es dann zu einem (von mir sehr gefürchteten) Trotzphasenstreit mit dem Glückskind, der auch schon mal in einem Glückskind’schen Heulanfall seinen Höhepunkt findet.

Wir hatten uns beide wütend diskutiert und ich wurde mit Beginn des Heulanfalls noch wütender. Ich wollte im nächsten Schritt schon zu einer klassischen Verzweiflungslösung greifen, in dem Fall die Erpressung/ Drohung,

„Wenn du nicht das machst, dann…(!!!)“, mit entsprechendem Tonfall.

Aber ich hab es geschafft, einen kurzen Moment nachzudenken (yeah! Schritt 1)

Atmete tief durch (Wohooo! Schritt 2)

Sah erst jetzt wie verzweifelt das Glückskind war (Oje – die Erkenntnis – Schritt 3)

Und dann erst sah ich mich, also quasi Blick von außen (Schritt 4 – by the way, ein trauriger Anblick.)

Da stand ich einem Dreijährigen gegenüber. Wir beide total hilflos, eigentlich gar nicht wütend, sondern verzweifelt.

Kleiner Unterschied: Glückskind 3 – Fräulein 30+

Das Gute an dieser Situation: Das Glücksbaby heulte ausnahmsweise nicht mit (ist sehr emphatisch)

In dieser traurigen Phase der (Selbst-)Erkenntnis umarmte ich meinen Schatz.

Und ich wurde ruhiger.

Und er wurde ruhiger.

Und gut war’s.

Gestern las ich dann in dem (übrigens sehr guten) Buch von Nils Altner, Achtsam mit Kindern leben, folgende Übung, die genau für solche Situationen gemacht ist und für Eltern aber auch Kinder geeignet ist (ich hab sie etwas zusammengefasst):

Hand auf’s Herz – Anspruch und Handeln in Einklang bringen

  • Stopp
    Halte einen Moment inne
  • Hand auf’s Herz
    Leg deine Hand aufs Herz und spüre, wie es schlägt. Wie beeinflusst die Erregung deinen Körper?
  • Atme ein und aus
    Nimm dir einige Atemzüge Zeit
  • Spüre dein Herz und denk nach
    Welche Handlung bahnt sich an? Möchtest du wirklich so handeln? Gibt es eine Handlungsalternative?
  • Triff eine Entscheidung und handle
    Entscheide dich für die stimmige Handlung und setze sie in die Tat um

 

Wenn es in 5 von 10 Fällen klappt, dann bin ich zufrieden.

 

Liebe Grüße

vom Fräulein

PS Das ist ein Beitrag, den ich für Sonjas und meine gemeinsame Serie zum Thema „Achtsamkeit“ geschrieben habe. Fällt dir auch was dazu ein, dann einfach in den Kommentaren Link posten, ich verlinke dann im Beitrag.

PPS

Bei unserer Aktion entstanden auch auf anderen Blogs viele wertvolle und interessante Beiträge. Wer aller mitgemacht hat, könnt ihr hier nachlesen.

PPPS Übrigens ging’s dann mit dem Textschreiben doch noch ganz gut.

 

*Zitat aus dem Buch: Nils Altner, Achtsam mit Kindern leben

 

18 Comments

  • Reply Kreativ Leben - Angelika 06/13/2014 at 10:27

    Liebes Fräulein im Glück, was für ein toller Text. Der gefällt mir richtig gut.
    „Prozess heißt: Manchmal klappt es, manchmal nicht“, genau! Danke 🙂

    Und dann wollte ich dir schreiben, dass ich auch schon getextet habe, … aber ich sehe, ich war schon vor mir da 🙂
    Viele Grüße und einen prozessvollen Aufmerksamkeitsfreitag.
    Viele Grüße, Angelika

  • Reply Achtsamkeit mit Kindern | liebevoller leben 06/13/2014 at 11:40

    […] Aufgrund des schönen Wetters höre ich an dieser Stelle auf – und schreibe in der nächsten Woche etwas zu den Wegen, wie wir mehr Achtsamkeit im Umgang mit unseren Kindern kultivieren können. In der Zwischenzeit verratet mir in den Kommentaren, ob Ihr die Stimmen in Eurem Kopf bemerkt und in welche Falle Ihr am Ehesten tappt. Und lest Fräulein im Glücks Blogpost zur Achtsamkeit mit Kindern. […]

  • Reply Dina 06/13/2014 at 12:00

    Vielen Dank für Deine Gedanken dazu. Besonders spannend fand ich zu lesen, was Achtsamkeit mit Kindern für Dich bedeutet. Darüber habe ich in den letzten Wochen auch noch mehr nachgedacht, doch mein Post ist wieder etwas theoretischer geworden.
    liebevoller.wordpress.com/2014/06/13/achtsamkeit-mit-kindern/
    Die Übung werde ich in der nächten Woche ausprobieren, denn allzuoft klaffen Anspruch und Handeln bei mir auseinander.

  • Reply Frieda 06/13/2014 at 17:23

    Liebes Fräulein im Glück,

    die Übung klingt nach einer riesigen Herausforderung für mich. Aber ich werde versuchen, die Oberhand über meinen Redeschwall und meine Getriebenheit zu bekommen und mich in einem solchen Moment an dich zu erinnern.
    Du hast es ja schon erfolgreich geschafft, super!

    Liebe Grüße,
    Frieda

  • Reply Marlene 06/13/2014 at 20:14

    So ein schöner und wichtiger Artikel – diesen Augenblick zum Luftholen und Nachdenken, selbst bei dem größten Geschrei und Krach rundherum, sollte man sich wirklich immer nehmen. (Leider ist ja niemand perfekt…)
    Liebe Grüße, Marlene

  • Reply Sonja 06/13/2014 at 20:46

    So eine lose Gedankensammlung ist doch etwas Tolles! …und die Übung ist klasse, probiere ich auch mal aus!
    Liebe Grüße, Sonja

  • Reply Sabine 06/15/2014 at 17:48

    Ich finde es sehr spannend, wie Du Dich mit Achtsamkeit im Alltag beschäftigst.
    Das Aufschreiben hilft mir auch immer, Klarheit über meine Gedanken zu einem Thema zu bekommen. Dieses Innehalten, was du beschreibst, das Hören auf den Atem oder den Herzschlag, das kann uns den Raum schaffen, anders zu reagieren. Es stoppt den Autopiloten, der von Gewohnheiten oder Stimmen gelenkt wird, die vorschreiben, wie „etwas zu sein hat“. Egal, ob wir anderer Überzeugung sind, die Stimmen, die wir z.B. in der Kindheit zu hören bekamen, haben sich im Kopf eingenistet. Nicht umsonst bemerken viele Mütter erstaunt: Ich habe eben wie meine Mutter geredet, dabei wollte ich doch manches anders machen….
    Einen ersten Beitrag habe ich auch schon zu Achtsamkeit geschrieben, ich habe Eure Aktion, die mich sofort ansprach, erst am Samstag bemerkt… Liebe Grüße,
    Sabine

  • Reply wolkenschmiede 06/15/2014 at 18:29

    Ihr habt mich nun auch angesteckt 🙂
    http://wolkenschmiede.wordpress.com/2014/06/14/163/

  • Reply Fräulein im Glück 06/15/2014 at 21:26

    Wow vielen Dank für die schönen Kommentare und ich bin echt begeistert, dass so viele von euch mitschreiben. Danke! Achtsamkeit ist natürlich in letzter Zeit ein sehr oft gebrauchtes Wort, aber zeigt finde ich nur, dass wirklich Bedarf an einem neuen (gesellschaftlichen) Ansatz herrscht.
    So und jetzt werde ich mir mal alle Artikel genauer zu Gemüte führen.

    Liebe Grüße
    vom Fräulein

  • Reply Nanne 06/16/2014 at 17:14

    Achtsamkeit bedeutet einfach beobachten. Nicht mehr und nicht weniger. Beobachten und wahrnehmen, was ist.
    Das ist natürlich unglaublich schwer für uns, weil wir darin überhaupt keine Übungen haben. Wir sind oft im gestern oder im morgen oder im die Situation jetzt gerade gerne anders haben wollen.
    Schön, dass es dir gelungen ist, dann anders als in der Gewohnheitsenergie zu handeln.
    lg
    nanne

    • Reply Fräulein im Glück 06/17/2014 at 19:50

      Ist unglaublich schwer und leider ist es eben (noch) nicht die Regel einmal anders als gewohnt zu reagieren. Aber ich arbeite dran (und blogge drüber) 🙂
      Liebe Grüße

  • Reply Tanja Heller 06/17/2014 at 13:49

    Was mir mit Kleinkind geholfen hat: mir eine Lieblingsstelle im Gesicht ausgesucht. Eine Sommersprosse und das Gefühl von Liebe, das ich beim Anblick empfunden habe, abgespeichert.

    Wenn Kind dann das Haus zusammengeschrien hat, weil es Haare waschen musste, die Sommersprosse angeschaut, das schöne Gefühl war sofort wieder da und ich konnte das Drama ganz gelassen nehmen. Mehr aus der Beobachtungsposition. Die Nachbarn wussten übrigens Bescheid, dass es bei uns immer ums Haare waschen ging, wenn ein Schreikonzert war.

    Und wenn das Girl heute mit 16 nur noch von Klamotten und Handy redet, egal, ich hab meine Lieblingsstelle und grins mir eins.

    • Reply Fräulein im Glück 06/17/2014 at 19:51

      Liebe Tanja,

      diesen Tipp werde ich mir auf alle Fälle merken! Vielen Dank. (hier ist Haarewaschen auch sehr beliebt ;-))

      Liebe Grüße,
      vom Fräulein

  • Reply Katrin 06/17/2014 at 21:47

    5 aus 10. Klingt auf den ersten Blick sehr machbar, ist aber ein hehres Ziel.
    Ich ertappe mich auch manchmal dabei, daß ich zu viel vom Kurzen fordere – zu viel erwachsen sein, zu viel Verständnis für etwas, was halt gerade JETZT nicht geht. Dann versuche ich, ihm das zu erklären. Kapiert er natürlich nicht. Klar. Oder will er es nicht? Keine Ahnung.
    Manchmal ist mein Geduldsfaden doch kürzer, als er sein sollte. Aber ich sag mal 3 von 10 krieg ich hin. Da ist die 5 nicht mehr SOOOOO weit, oder?

    • Reply Fräulein im Glück 06/18/2014 at 11:03

      Ui das kenn ich, ich will immer die Hintergründe von Glückskinds Taten ergründen, ich glaube, die kennt er meistens selber nicht.
      Und ja zugegeben, vielleicht war 5 von 10 etwas übermotiviert 🙂

  • Reply Achtsamkeit – Monatsthema Juni | Fundstücke aus dem Internet 06/30/2014 at 04:45

    […] im Glück Achtsamkeit im Alltag Achtsamkeit mit Kindern Achtsamkeit in der Beziehung Mit sich selbst achtsam […]

  • Reply Sh 10/15/2014 at 12:48

    hallo!

    ich bin über das thema entrümpeln und simplicity auf dich gestossen… (?!? 😉 )
    naja, der zusammenhang erschliesst sich vermutlich, weil ich wahrscheinlich wegen dem verknüpfungspunkt „achtsamkeit“ in dein blog gestolpert bin.
    schön, hier zu lesen.
    spannende gedanken.

    ich habe keine kleinkinder mehr, aber teenager erfordern genausoviel achtsamkeit – ich habe übrigens jedes alter lieb und empfinde alle altersstufen als bereicherung.
    man kann nur daran wachsen!

    mir hat ebenfalls das luftanhalten und nicht gleich „losemotionalisieren“ von meiner seite in den „kritischen“ situationen immer sehr geholfen. und hilft immer noch. wenn mein teenagerjunge sich gerade heute mal wieder gefühlte stunden lang in einem buch verliert und die zeit vergisst, obwohl wir verabredet hatten, dass er mir bei haushaltsarbeiten hilft, damit wir beide schnell frei haben. und dann herausfinde beim nachfragen, dass er eigentlich total müde ist, weil er schlecht geschlafen hatte und sehr früh wach war. und schule anstrengend war.

    ja, und wenn ich da nicht zugehört, sondern losgepoltert hätte, wäre der von uns geliebte haussegen schon wieder ganz schief gehangen und ich hätte nichts verstanden, was in ihm vorgeht.

    ich glaube, mit kleinen kindern ist das genauso.
    wenn wir es schaffen, emphatisch zu sein und herauszufinden, warum das kind jetzt weint oder trotzt, dann geht vieles einfacher und die beziehung kann immens wachsen und in die tiefe gehen.
    ich habe übrigens ein gordon-elterntraining gemacht.
    das hat mir unglaublich auf die sprünge geholfen!

    nochmals danke für deinen anregenden beitrag!

    lg
    sh

  • Reply Achtsamkeit mit Kindern - liebevoller leben 04/17/2017 at 10:11

    […] Aufgrund des schönen Wetters höre ich an dieser Stelle auf – und schreibe in der nächsten Woche etwas zu den Wegen, wie wir mehr Achtsamkeit im Umgang mit unseren Kindern kultivieren können. In der Zwischenzeit verratet mir in den Kommentaren, ob Ihr die Stimmen in Eurem Kopf bemerkt und in welche Falle Ihr am Ehesten tappt. Und lest Fräulein im Glücks Blogpost zur Achtsamkeit mit Kindern. […]

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